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Gedanken zum Evangelium vom 18.10.2009 Drucken E-Mail

Gedanken zum Sonntagsevangelium vom 18.10.2009

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

(Markus 10,35-45)

Das uralte Thema der Menschheit: die Machtfrage. Und wenn wir schon nicht selbst auf dem Thron sitzen dürfen, dann halten wir es wenigstens mit den Zebedäussöhnen: zur Rechten und zur Linken, im Glanz der Lichtgestalt. Heerscharen von Subalternen haben sich an dieser geliehenen Macht ergötzt und verloren dabei nicht selten jeden menschlichen Anstand.
"Macht" ist in sich nichts Verdächtiges oder gar Unmenschliches, wenn sie nicht in ihr Zerrbild, die Gewalt, umschlägt. Der "ohn-mächtige" Mensch, ich denke etwa an den Patienten auf dem Operationstisch, ist kein Ideal. Es geht also nicht um Hilflosigkeit, Feigheit und Unterwürfigkeit, sondern um den reifen Umgang mit der Macht und die Bereitschaft zur Dien-Mut und zur Dien-Macht. Diese Lehre erteilt Jesus seinen Jüngern im heutigen Evangelium, in der markanten Sprache des Markusevangeliums. "Bei Euch soll es nicht so sein!"

Der Heilige Franz von Sales, der große Kenner der menschlichen Seele, spricht einmal davon, dass selbst jene Christen, die in ihrer Tugendhaftigkeit weit fortgeschritten sind, vor der letzten Hürde der Demut straucheln. Dabei soll es uns nicht darum gehen, mit proletarischem Pathos auf "die da oben" zu schimpfen. Die Weisung Jesu richtet sich an jede und an jeden von uns, denn die geheime oder offen zur Schau gestellte Sehnsucht nach Überlegenheit ist uns seit unserer Kindheit eigen geworden, als wir uns unter unseren Geschwistern behaupten und vor den Klassenkameraden beweisen mussten. Sich selbst eitel in den Vordergrund rücken, die Leistungen der anderen verächtlich klein reden oder einfach ignorieren: es gibt so viele Spielarten der Eitelkeit, und hinter nicht wenigen verbirgt sich die verzweifelte Angst, ja nicht zu kurz zu kommen. Eine brutale Autorität, die sich dann im Erwachsenenalter austobt, wird nicht selten genährt von der Unruhe, dass es doch eintreten könnte, dass "die Mächtigen von Thron gestürzt und die Niedrigen erhoben werden". Ein klein wenig Herodes steckt in uns allen.

Was für eine befreiende Botschaft! Es gibt eine angstfreie Form des Umgangs mit der eigenen Mächtigkeit, dem eigenen Vermögen: es gibt ein dienendes Herrschen. Noch einmal, das hat nichts mit Schleimerei und Selbsterniedrigung zu tun, im Gegenteil. Man muss von seiner Würde überzeugt und sich seiner Begabungen gewiss sein, ohne jedes Minderwertigkeitsgefühl also, um wirklich dienen zu können. Den anderen die Füße waschen kann nur ein Mensch, der ein großes Format besitzt und die ganze Wahrheit des Liebens begriffen hat.
Die Entdeckung solcher Größe des Dienens in erfülltem Menschsein beginnt – wie immer in der Nachfolge Jesu – mit den kleinen alltäglichen Schritten. Ich denke an den Dienst des ersten Schrittes der Versöhnung, wenn das Gespräch verstummt ist und die Dinge sich verhakt haben. Ich denke an die bewusste und sympathische Anerkennung der Leistung des anderen Menschen. "Danke!" sagen ist eine großartige Form des Dienens. Ich denke auch an die immer neue Bereitschaft, in konfliktiven Situationen nicht nachzukarten und die alte Wäsche zu waschen, sondern großzügig und ohne falsche Überheblichkeit, also konstruktiv, an einer guten gemeinsamen Zukunft zu bauen. Dafür sind wir getauft und gefirmt, dazu befähigt uns Gottes Heiliger Geist.
Also noch einmal: nicht die krampfhaften Demutsübungen, sondern die Freude an der eigenen Mächtigkeit, die sich als Werkzeug der Liebe in Dienst nehmen lässt: aus diesem Holz ist der ganz andere Thron derer gefertigt, die das Herrschen und das Dienen nach dem Vorbild Jesu "auf die Reihe" bekommen.

 
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