Pfarrers Corner

Hier ist der Ort, an dem Gedanken zu aktuellen Zeiten, Evangelien und Themen für Sie veröffentlicht veröffentlicht werden.

Begonnen wurde diese Reihe durch, den inzwischen leider verstorbenen, Pfarrer Egon Borm. Pfarrer Kreuzig führte diese Tradition fort, nun schreiben unser Pastoralreferent Martin Wrasman und Pastor Robert Solis für diese Seite.

Vorbeischauen lohnt sich immer

Was ist Ihr Lieblingsweihnachtslied?

Menschen, die Ihr ward verloren, lebet auf, erfreuet euch

Warum gerade dieses?

Weil es für mich in knappster Form die Botschaft der Weihnacht besingt: Lobpreis und Befreiung. Lobpreis: Dank, dafür, dass Gott Mensch wird. Befreiung: Zusage, dass es gelingt, dass der Mensch Mensch wird        

Was für Erinnerungen verbinden Sie damit? Kennen Sie es aus der Kindheit oder wurde es in Ihrer eigenen Familie all die Jahre immer wieder gesungen?

Ja, es hat sich von Kindertagen, über die Jugendzeit mit seiner Botschaft in mein Leben eingewebt, aber auch über seine Melodie. Es stand lange Zeit nicht im Gesangbuch für die Diözese Hildesheim und damit auch nicht bekannt in meiner Gemeinde, im neuen Gesangbuch steht es drin und seit ein paar Jahren singen wir es jetzt auch in St. Altfrid.

Welchen Stellenwert haben Weihnachtslieder an sich für Sie zur Weihnachtszeit? (Gerade mit Blick auf die Kirche?)

Ich kann mir nicht vorstellen, Weihnachten ohne Lieder zu feiern, weil die Geburt Jesu mit dem Gesang der „himmlischen Chöre“ verkündet wurde: Gloria in excelsis Deo. Jedes große christliche Fest ist von Liedern begleitet, weil das Lied, besonders das geistliche, eine tiefe Sehnsucht in uns Menschen anspricht und uns darauf verweist, dass sich uns eine andere Welt erschließt, als die alltägliche, die oft so sehr von Pragmatismus und Utilarismus geprägt ist. Die Christlichen Weihnachtslieder eröffnen uns die Welt des Himmlischen, in der wir erspüren, dass da jemand ist, dem unser Leben nicht egal ist.

 

 

 

 

Das Wort des Jahres 2016 ist postfaktisch. Diese Entscheidung traf eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden. Sie richtet damit das Augenmerk auf einen tiefgreifenden politischen Wandel. Das Kunstwort postfaktisch, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg.

 Mein Wort des Jahres ist dann, wenn ich oben zitierter Begründung nachgehe, das Wort Profaktisch. In diesen weihnachtlichen Tagen, am Übergang zu einem neuen Jahr feiern wir die Menschwerdung Gottes: profaktisch, also vor allen Fakten, die eine digitalisierte Welt vorhält, glauben Christen an diese Wahrheit: „und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt.“ Dünnes Eis, könnten Sie jetzt behaupten, auf dem Sie sich bewegen: wie weit ist denn der Glaube von dem Begriff des Postfaktischen entfernt? Ich antworte: der christliche Glaube stellt sich nicht gegen die Wahrheit, sie ist Grundlage des Glaubens. Nur allein von der Wahrheit kann ich nicht leben, es braucht die Wahrheit, die eintaucht in die Lebensgeschichten und Lebenserfahrungen der Menschheit. Es braucht die Verheißungen, nach denen wir uns strecken, dass Frieden und Gerechtigkeit möglich sind; es braucht die Erfahrungen von Solidarität und Nächstenliebe, aus denen wir leben, weil sich sonst alles dem Pragmatismus und der Ökonomisierung einer kapitalen Gesellschaft unterwirft; es braucht die Kraft von Trost und Hoffnung, weil sich in ihnen die Würde des Menschen abbildet.

 All das sind für mich die Kategorien, die Kennzeichen des Profaktischen, weil vor allem Faktischen dieses eine grundgelegt ist: uns ist die Genialität, also das Gen, geschenkt, dass wir die großen Werte der Humanität, damit des christlichen, verwirklichen können.

Deshalb Profaktisch: Vor aller Zeit hat Gott den Menschen als sein Ebenbild geschaffen.

Göttlich, oder?

 

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht

 

 

Ihnen Martin Wrasmann, Pastoralreferent 

Witze in der Kirche! Bei diesem Gedanken bekommen einige gute Katholiken einen gehörigen Schrecken. Andere fangen an zu schmunzeln und erinnern sich an einen Pfarrer, der gute Witze erzählen konnte.

Die herausragende Zeit für Witze in der Kirche ist Ostern, genauer gesagt, die Osternachtliturgie. Das ist der feierlichste, wichtigste und schönste Gottesdienst im ganzen Jahr. Dann werden in manchen Kirchen gegen Ende des Gottesdienstes Witze erzählt. Damit wird ein alter Brauch belebt, das sogenannte „Osterlachen“.

In einigen Regionen, vor allem in Bayern, war es vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums. Zu dieser Tradition gehörte es, in der Osterpredigt eine Geschichte zu erzählen, die die Gemeinde zum Lachen brachte. Mitunter wurden ganze Theaterstücke aufgeführt, die zum Inhalt hatten, Tod und Teufel lächerlich zu machen und Gott als Freund des Lebens darzustellen. Wie kam man darauf? Ganz einfach: Zu Ostern ist Jesus auferstanden. Jesus lebt und der Tod hat verloren. Seine Auferstehung ist die erste, weitere werden folgen, nämlich unsere Auferstehungen. Lachen, auch wenn der Tod eigentlich eine ernste Angelegenheit ist – zu Ostern ist das möglich. Die Osterfreude findet so einen Ausdruck und die stille Fastenzeit ist endlich beendet.

Manchmal allerdings haben es Pfarrer früherer Jahrhunderte übertrieben. Zoten, Obszönitäten, Derbheiten, Tänze auf der Kanzel – die Kritiker des Osterlachens hatten immer genug Stoff, um seine Abschaffung zu fordern.

Es gibt noch einen weiteren Grund für diesen Brauch. „Das Osterlachen war auch eine lustige Art, ein wenig Kritik an der weltlichen oder kirchlichen Obrigkeit zu üben“, so steht es bei Wikipedia.

Wer lacht ist (noch) lebendig. Wer lacht kann Abstand zum Tagesgeschehen aufbauen und manch Wichtiges als doch nicht so bedeutungsvoll entlarven. An Ostern wird deutlich, dass sich das Leben durchsetzt und die Auferstehung Gottes genialer Gedanke für uns Menschen ist. Weil Christus auferstanden ist, haben wir allen Grund zum Lachen. Das christliche Ostern ist nichts für Griesgrame.

Wie die Pfarrer früherer Zeiten erzähle ich in der Osternacht immer einen Witz. Einmal im Jahr möchte auch ich ein richtiger Traditionalist sein. Manche Gemeindemitglieder warten schon darauf und sprechen mich Wochen vorher an: „Haben Sie schon einen Witz?“

Am besten gefallen mir Witze, die auch die kirchliche Wirklichkeit und besonders die Pfarrer aufs Korn nehmen.

Ein Beispiel: Ein evangelischer Pastor kommt in den Himmel. Petrus bittet ihn herein und sagt: „Such dir hier eine nette Wolke und lass es dir gut gehen.“ Nach ein paar Wochen beginnt eine Aufregung im Himmel. Die Engel sind nervös, er werden Girlanden aufgehängt, das himmlische Orchester putzt seine Instrumente, aus der Himmelsküche dringen wunderbare Gerüche, die Straßen werden gefegt. Der evangelische Pastor geht zu Petrus und fragt nach dem Grund der Veränderung. Dieser antwortet: „Wir erwarten einen katholischen Priester.“ Der Pastor ist empört und sagt: “Wie ärgerlich! Auf Erden machen die Katholiken schon immer so einen Bohei mit ihren glänzenden Gewändern, mit Weihrauch und dem katholischen Brimbamborium und jetzt bekommen sie auch noch im Himmel alle Äußerlichkeiten und Aufmerksamkeiten, die man sich denken kann.“ Daraufhin sagt Petrus: „Du musst das verstehen, ein katholischer Priester kommt nur alle hundert Jahre.

Es gibt sogar einen Witz, der inhaltlich gut zum Osterfest passt: Nach der Grablegung kommt Josef aus Arimatäa zu seiner Frau und berichtet, dass er diesen Jesus aus Nazareth ins frisch erworbene Familiengrab gelegt hat. Als ihm seine Frau daraufhin eine heftige Szene macht, antwortet Josef gelassen: „Frau, reg dich nicht auf! Ist doch nur fürs Wochenende!“

Zu guter Letzt noch mein Lieblingswitz: „Kommt ein Mann zum katholischen Pfarrer und sagt: „Herr Pfarrer, mein Hund ist gestorben. Können sie ihn christkatholisch beerdigen und eine Messe für ihn lesen.“ Der Pfarrer ist entrüstet und antwortet: „Das ist unmöglich. Ich kann doch ihren Hund  nicht katholisch beerdigen und eine Messe für ihn lesen kann ich schon gar nicht.“ Darauf antwortet der Mann: „Na ja, dann muss ich es wohl bei Ihrem evangelischen Kollegen versuchen. Schade, weil bei der Gelegenheit wollte ich der Kirche 1 Million Euro spenden.“ Im Aufspringen und innerlich vollkommen bewegt antwortet der katholische Pfarrer: „Halt, halt, halt, ich wusste ja nicht, dass der Hund katholisch war!“

Sollte ihnen dieser Mann begegnen, bitte ich Sie, ihn bei mir vorbei zu schicken, denn wir müssen dringend über den Neubau des Bonifatiushauses nachdenken. Wenn nicht, wünsche ich Ihnen trotzdem eine gesegnete Osterzeit und viel Grund zum Lachen.

 

                                                                                              Pfarrer Thomas Hoffmann 

Ohne Hirten – keine Weihnacht

 

Wissen Sie, was eine Fuckup-night ist? Sorry, aber es heißt wirklich so. Bei einer Fuckup-night kommen Menschen zusammen und erzählen sich ihre Pleiten. Vorzugsweise junge Unternehmer, die ein Start-Up an die Wand gefahren haben: Ein tolle Idee, kräftige Investitionen auf Pump, eine Menge Elan. Und: es ging grandios schief. Im Kultfilm Alexis Zorbas heißt es nach dem Zusammenbruch der Seilbahn am Schluss: „Hast du schon einmal etwas so wunderbar zusammenbrechen sehen?“ Die Pointe dabei: Bei der Fuckup-night werden die Pleiten nicht erzählt, um sich gegenseitig runterzuziehen, sondern um sich gegenseitig zu ermutigen: Es darf auch schief gehen. Und man darf auch darüber reden. Aber, um dann neu anzufangen. Ziel ist Ermutigung.

Das göttliche Start-up heißt Erlösung des Menschen aus seinen unterschiedlichsten Gefangenschaften. Der Start selber schien gewaltig daneben zu gehen. Menschwerdung Gottes im Stall zu Bethlehem, wahrlich nicht die Startrampe für solch ein erhabenes Ziel.

 

Was wäre wohl passiert, damals in Bethlehem, wenn sich die Hirten nicht hätten überzeugen lassen vom Engel und seiner Botschaft? Sie wären nicht zum Stall gegangen, hätte die Geburt des Erlösers ignoriert, keine Zeugen von der Geburt Jesu. Maria hätte zwar alles in ihrem Herzen bewahrt, aber die Hirten waren es, die den Fehlstart verhindert haben, die unmögliches für möglich hielten, gingen zum Stall und haben verstanden, was nicht zu verstehen ist: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und: Sie kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.“  Damit stehen die Hirten für den Kern der Weihnachtsbotschaft: Unmögliches wird möglich – Gott wird Mensch, damit der Mensch Mensch wird. Diese Hirten, Frauen und Männer eher aus der Unterschicht, weniger intellektuell gebildet, aber geprägt von tiefer Sehnsucht und hoher sozialer Kompetenz haben verstanden, wie sich Erlösung vollzieht. Gott wird da geboren, wo niemand etwas erwartet. Gott wird da geboren, wo alle etwas erwarten. Die Gottesgeburt vollzieht sich, wo vorher Herberge verweigert wurde, in der letzten Station, dem Stall. Die Menschwerdung Gottes schon im Start eine Fuckup-night (Versagernacht), die trotz massiver Startschwierigkeiten zur Erfolgsgeschichte avancierte, mit Hirten, Ochs und Esel im Gefolge.

Warum konnte sie sich bis heute halten? 

Weil da, wo Gott am Werk ist, auch auf krummen Linien gerade geschrieben werden kann, wo der glimmende Docht nicht gelöscht und das geknickte Rohr nicht gebrochen wird, und wo Hirten damals und Menschen heute die Erfahrung machen, das der Glaube aufrichtet und trägt und Gott unsere Sehnsucht nach dem Gelingen des Lebens stillt. Wie das geht? Er braucht damals wie heute Menschen, die seiner Botschaft trauen, Hirten und Hirtinnen, die wissen: bei Gott gibt es kein Fuck up, kein Scheitern und die auch heute noch glauben: Euch ist der Retter geboren, es ist der Messias der Herr.

 

Gesegnete Weihnachten wünscht Ihnen Ihr Martin Wrasmann 

“Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen. O segne ihn gütgem Sinn und uns zu deinen Füßen. Maria, dir empfehlen wir, was grünt und blüht auf Erden. Lass uns in dieser Pracht und Zier das Werk des Schöpfers ehren.” (GL 896)

Die Maiandacht entstand im 18. Jahrhundert und wurde 1815 von Papst Pius VII. gutgeheißen. Ihre Entstehung wurde vor allem vom Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens von 1854 gefördert, weiteres von den großen Wallfahrtsorten wie Lourdes und später Fatima. Im Wechsel werden Marienlieder gesungen, Gebete zu Maria gesprochen, vor allem die Lauretanische Litanei, die aus Anrufungen an die selige Jungfrau Maria besteht. In vielen Gemeinden wird dabei ganze Schönheit und Blumenpracht des Monats Mai auf den Schmuck der Maialtäre verwendet.

In unserer nüchtern und gehetzt gewordenen Zeit ist es eine Wohltat, bei Maria auszuruhen und unser Denken und Fühlen in Liedern und Gebeten zu ihr zu erheben. Maria führt uns weiter zu ihrem Sohn und hilft uns zur Treue vor ihm.

Papst Franziskus über Maria:
„Dieses „mir geschehe“ ist nicht nur Annahme, sondern auch vertrauensvolle Öffnung für die Zukunft. Dieses „mir geschehe“ ist Hoffnung! Maria ist die Mutter der Hoffnung, das ausdruckvollste Bild der christlichen Hoffnung. Ihr ganzes Leben ist eine Gesamtheit aus Gesten der Hoffnung, angefangen vom „JA“ der Verkündigung. Maria wusste nicht, wie sie Mutter werden sollte, aber sie vertraute sich vollkommen dem Geheimnis an, das sich erfüllen sollte, und wurde so die Frau der Erwartung und der Hoffnung“ (Meditation zur Vesperfeier am 21.11.2013)

Maiandacht in unserer Gemeinde- jeden Freitag um 17.15 Uhr in St. Altfrid. Herzliche Einladung

© 2013 St. Altfrid Gifhorn / Meine

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