Die Fastenzeit oder „österliche Bußzeit“, wie die Wochen von Aschermittwoch bis Ostern offiziell in der Kirche genannt werden, lädt uns zur Besinnung, zur Stille und zum Gebet ein. Sie ist eine Aufforderung, sich aufrichtig der Frage zu stellen: „Was ist das Zentrum meines Lebens? Wofür lebe, wofür brenne ich? Welches ist meine eigentliche Zielsetzung? In wie weit spielt Gott in meinem Leben eine Rolle? Steht er eher am Rande oder bildet er tatsächlich die Mitte, da er Alpha und Omega ist, Anfang und Ende? Oder herrschen in meinem Leben andere Götter? Obwohl es nur einen Gott gibt!“ (Bischof Klaus Küng)

„Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“- mit diesen Worten wurde uns am Aschermittwoch die Asche mit dem Kreuzzeichen aufgelegt. Wenn Jesus auf diese Weise die Menschen zum Glauben einlädt, dann spricht er gleichzeitig die große Vorbedingung dazu aus. Er sagt: "Bekehrt euch!". So sind Glaube und Bekehrung aufeinander bezogene Forderungen Gottes an den Menschen, zugleich aber auch die österlichen Gaben des Auferstandenen an uns.

Bekehrung bedeutet, mich von Gott ansehen zu lassen und in dieser Begegnung meine Unvollkommenheit, meine Gebrochenheit und meine Schuld zu erkennen. So kann ich erfahren, dass ich von Gott „bis zur Vollendung“ (Joh 13,1) geliebt bin, dass er mir nahe ist, dass er meine Gebrechen wegnehmen kann und will, und dass er mir eine neue Chance gibt, zu ihm zurückzukehren, ihm nahe zu sein. Ich darf mein Leben- mit meinen Träumen und Visionen, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Wünschen und Enttäuschungen, mit meinem Bemühen und Versagen, mit Freude und Trauer, mit dem, was mir Mut gibt, aber auch mit dem, was mir Angst macht- in Gottes Hände fallen lassen, denn ich weiß: er liebt mich so, wie ich bin, wenn ich falle, schenkt er mir Kraft aufzustehen. Dieses Vertrauen bewirkt echte Bekehrung. Wenn ich mich von der Liebe Gottes, die alle menschlichen Vorstellungen übersteigt, ergreifen lasse und diese Liebe zum Fundament meines Lebens wird, kann die Fastenzeit reiche Frucht in mir bringen. Erst dann, wenn ich mich ganz auf Gott und seine Kraft verlasse, spüre ich, dass mein Leben einer Kurskorrektur bedarf: einer Abwendung vom Bösen und einer Entscheidung für das Gute.

In einem modernen Kirchenlied heißt es: „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.“ Gehen wir mit Unmittelbarkeit, Entschiedenheit und im gläubigen Vertrauen auf Gott den Weg der Umkehr! Dann werden wir an Ostern eine neue, sinngebende, lebensspendende und freudebringende Begegnung mit dem Auferstandenen erfahren.

Ihr Pastor Solis

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