Witze in der Kirche! Bei diesem Gedanken bekommen einige gute Katholiken einen gehörigen Schrecken. Andere fangen an zu schmunzeln und erinnern sich an einen Pfarrer, der gute Witze erzählen konnte.

Die herausragende Zeit für Witze in der Kirche ist Ostern, genauer gesagt, die Osternachtliturgie. Das ist der feierlichste, wichtigste und schönste Gottesdienst im ganzen Jahr. Dann werden in manchen Kirchen gegen Ende des Gottesdienstes Witze erzählt. Damit wird ein alter Brauch belebt, das sogenannte „Osterlachen“.

In einigen Regionen, vor allem in Bayern, war es vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums. Zu dieser Tradition gehörte es, in der Osterpredigt eine Geschichte zu erzählen, die die Gemeinde zum Lachen brachte. Mitunter wurden ganze Theaterstücke aufgeführt, die zum Inhalt hatten, Tod und Teufel lächerlich zu machen und Gott als Freund des Lebens darzustellen. Wie kam man darauf? Ganz einfach: Zu Ostern ist Jesus auferstanden. Jesus lebt und der Tod hat verloren. Seine Auferstehung ist die erste, weitere werden folgen, nämlich unsere Auferstehungen. Lachen, auch wenn der Tod eigentlich eine ernste Angelegenheit ist – zu Ostern ist das möglich. Die Osterfreude findet so einen Ausdruck und die stille Fastenzeit ist endlich beendet.

Manchmal allerdings haben es Pfarrer früherer Jahrhunderte übertrieben. Zoten, Obszönitäten, Derbheiten, Tänze auf der Kanzel – die Kritiker des Osterlachens hatten immer genug Stoff, um seine Abschaffung zu fordern.

Es gibt noch einen weiteren Grund für diesen Brauch. „Das Osterlachen war auch eine lustige Art, ein wenig Kritik an der weltlichen oder kirchlichen Obrigkeit zu üben“, so steht es bei Wikipedia.

Wer lacht ist (noch) lebendig. Wer lacht kann Abstand zum Tagesgeschehen aufbauen und manch Wichtiges als doch nicht so bedeutungsvoll entlarven. An Ostern wird deutlich, dass sich das Leben durchsetzt und die Auferstehung Gottes genialer Gedanke für uns Menschen ist. Weil Christus auferstanden ist, haben wir allen Grund zum Lachen. Das christliche Ostern ist nichts für Griesgrame.

Wie die Pfarrer früherer Zeiten erzähle ich in der Osternacht immer einen Witz. Einmal im Jahr möchte auch ich ein richtiger Traditionalist sein. Manche Gemeindemitglieder warten schon darauf und sprechen mich Wochen vorher an: „Haben Sie schon einen Witz?“

Am besten gefallen mir Witze, die auch die kirchliche Wirklichkeit und besonders die Pfarrer aufs Korn nehmen.

Ein Beispiel: Ein evangelischer Pastor kommt in den Himmel. Petrus bittet ihn herein und sagt: „Such dir hier eine nette Wolke und lass es dir gut gehen.“ Nach ein paar Wochen beginnt eine Aufregung im Himmel. Die Engel sind nervös, er werden Girlanden aufgehängt, das himmlische Orchester putzt seine Instrumente, aus der Himmelsküche dringen wunderbare Gerüche, die Straßen werden gefegt. Der evangelische Pastor geht zu Petrus und fragt nach dem Grund der Veränderung. Dieser antwortet: „Wir erwarten einen katholischen Priester.“ Der Pastor ist empört und sagt: “Wie ärgerlich! Auf Erden machen die Katholiken schon immer so einen Bohei mit ihren glänzenden Gewändern, mit Weihrauch und dem katholischen Brimbamborium und jetzt bekommen sie auch noch im Himmel alle Äußerlichkeiten und Aufmerksamkeiten, die man sich denken kann.“ Daraufhin sagt Petrus: „Du musst das verstehen, ein katholischer Priester kommt nur alle hundert Jahre.

Es gibt sogar einen Witz, der inhaltlich gut zum Osterfest passt: Nach der Grablegung kommt Josef aus Arimatäa zu seiner Frau und berichtet, dass er diesen Jesus aus Nazareth ins frisch erworbene Familiengrab gelegt hat. Als ihm seine Frau daraufhin eine heftige Szene macht, antwortet Josef gelassen: „Frau, reg dich nicht auf! Ist doch nur fürs Wochenende!“

Zu guter Letzt noch mein Lieblingswitz: „Kommt ein Mann zum katholischen Pfarrer und sagt: „Herr Pfarrer, mein Hund ist gestorben. Können sie ihn christkatholisch beerdigen und eine Messe für ihn lesen.“ Der Pfarrer ist entrüstet und antwortet: „Das ist unmöglich. Ich kann doch ihren Hund  nicht katholisch beerdigen und eine Messe für ihn lesen kann ich schon gar nicht.“ Darauf antwortet der Mann: „Na ja, dann muss ich es wohl bei Ihrem evangelischen Kollegen versuchen. Schade, weil bei der Gelegenheit wollte ich der Kirche 1 Million Euro spenden.“ Im Aufspringen und innerlich vollkommen bewegt antwortet der katholische Pfarrer: „Halt, halt, halt, ich wusste ja nicht, dass der Hund katholisch war!“

Sollte ihnen dieser Mann begegnen, bitte ich Sie, ihn bei mir vorbei zu schicken, denn wir müssen dringend über den Neubau des Bonifatiushauses nachdenken. Wenn nicht, wünsche ich Ihnen trotzdem eine gesegnete Osterzeit und viel Grund zum Lachen.

 

                                                                                              Pfarrer Thomas Hoffmann 

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