Als Herzog Ernst der Bekenner (1521 - 1546) im Fürstentum Lüneburg 1529 die Reformation einführen ließ, kam es zu gravierenden Veränderungen im kirchlichen Raum. Die Taufkirche St. Stephanus in Meine wurde für die Feier der heiligen Messe geschlossen, und die Priester mussten das Fürstentum verlassen. Katholische Reformen wurden durch den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) vereitelt.

Als es endlich zum Friedensschluss (Westfälischer Frieden) kam, legte man als Norm für die freie Ausübung der Konfession den Zustand des Jahres 1624 (Normaljahr) fest. Damit sollte die Konfession, die in diesem Jahr in dem Kirchspiel praktiziert worden war, dort auch zukünftig gelten. Der Landesherr durfte künftig nicht mehr die Konfession seiner Untertanen bestimmen. Das Bistum Halberstadt wurde aufgehoben, so dass man das protestantische Fürstentum Lüneburg dem Apostolischen Vikariat zur Seelsorge zuweisen musste.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Meine nunmehr preußisch regiert, weil das Fürstentum Lüneburg 1705 gemeinsam mit Calenberg im hannoverschen Kurstaat aufgegangen war. Hier hatte Preußen, später Westfalen und dann abermals Preußen die Regierung übernommen. Meine war dem 1885 gegründeten Landkreis Gifhorn zugeschlagen worden. Das Dorf zählte im Jahre 1895 849 Einwohner. Während 813 von ihnen evangelisch waren, lebten in diesem Jahr 36 Katholiken in Meine. Für ihre seelsorgerische Betreuung war seit 1824 das Bistum Hildesheim verantwortlich, dem man mit der Bulle „Impensa Romanorum Pontificum" das Königreich Hannover eingegliedert hatte. Die Möglichkeit zum Besuch der heiligen Messe bestand für die Meiner Katholiken erst seit 1919 im benachbarten Gifhorn. Kirchenrechtlich gesehen gehörten sowohl Gifhorn als auch die umliegenden Landgemeinden in den Seelsorgesprengel der Pfarrei St. Ludwig in Celle. Letzteres war auch Residenzstadt der Herzöge von Lüneburg gewesen.

Während die katholischen Einwohner von Meine zunächst hauptsächlich in der Landwirtschaft Beschäftigung gefunden hatten, waren sie später am Bau des Mittellandkanals beteiligt. Auch bot die in Meine errichtete Zuckerfabrik Arbeitsplätze an.

Die Errichtung der Stadt des KdF-Wagens gab den Dörfern im Landkreis Gifhorn wichtige wirtschaftliche Impulse. Denn zahlreiche Meiner nahmen im späteren Wolfsburg eine Beschäftigung an. Sie wohnten auch dort und kehrten nur am Wochenende in das Dorf zurück.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges veränderte sich auch in Meine die konfessionelle Lage insofern, als jetzt zahlreiche Evakuierte aus dem Westen Deutschlands vorübergehend im Dorf untergebracht wurden.

Aber der entscheidende konfessionelle Wandel setzte erst nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges ein. Nach 1945 ließen sich katholische Flüchtlinge, hauptsächlich aus Rumänien, dem südrussischen Raum, aus der Bukowina und Schlesien in Meine nieder. Im Umkreis von etwa 20 Dörfern im Landkreis Gifhorn entwickelte sich Meine zu einem katholischen Seelsorgeschwerpunkt. Weil das Dorf zu dieser Zeit kirchlich zur Pfarrei St. Bernward in Gifhorn gehörte, wurde dort 1958 auch ein Geistlicher zusätzlich angestellt, der aber in Meine wohnte und hier wie auch in den zur Pfarrvikarie gehörenden Dörfern die seelsorgerische Betreuung der Katholiken übernahm. Gottesdienst hielt der Priester zunächst in einer Gaststätte in Meine, später auch in der evangelischen St. Stephanuskirche. Ebenso feierte er die heilige Messe in einigen anderen evangelischen Kirchen, Kapellen und Schulen, welche im Seelsorgesprengel lagen.

Im sozialen Bereich der sich entwickelnden katholischen „Flüchtlingsgemeinde" dominierten die Industriearbeiter, welche zuvor in der Landwirtschaft z.B. im südrussischen Raum beschäftigt gewesen waren. Arbeit hatten sie jetzt in Braunschweig, Gifhorn und Wolfsburg angenommen. Die Möglichkeiten dazu waren mit dem Aus- und Aufbau der Verkehrswege gegeben, In den ersten Jahren des Bestehens der Pfarrvikarie waren die Katholikenzahlen mit etwa 1200 außergewöhnlich konstant. Umbrüche hierbei griffen bis zur hermetischen Abriegelung der innerdeutschen Grenze (Mauerbau in Berlin) im Jahre 1961, denn damals ließen sich zahlreiche Katholiken aus der Deutschen Demokratischen Republik in Meine und Umgebung nieder. Die Pfarrvikarie zählte zu der Zeit ca. 1300 Katholiken.

1948 kam Pastor Kalixtus Engler nach Meine und leistete gute Aufbauarbeit. Zu seiner Zeit wurde das Pfarrhaus gebaut und das Grundstück für die Kirche erworben. Fast 20 Jahre war er in der Kirchengemeinde Meine tätig.

1970 feierte man die heilige Messe noch in der St. Stephanuskirche in Meine, obwohl diese Notlösung keine Zukunft haben konnte. Der Bau der katholischen Kirche erwies sich deshalb als dringend notwendig. Durch Förderung des Bonifatiuswerkes und den Einsatz von Bischof Heinrich Maria Janssen (1957 - 1982) konnte das Kirchenbauvorhaben realisiert werden.

Treibende Kraft für den Bau der Kirche war Pastor Joseph Kudella. Er kam am 15. Juni 1968 als Nachfolger von Pastor Kalixtus Engler nach Meine und brachte Kirchenbau-Erfahrungen aus Hemeringen im Weserbergland mit.

Am 14. Juni 1970 wurde der Grundstein der Kirche gelegt. Rund 500 Gläubige aus den umliegenden 30 Ortschaften sowie zahlreiche Gäste hatten sich auf dem Baugelände eingefunden und wurden sehr herzlich von Pastor Kudella begrüßt.

Am 7. März 1971 weihte Bischof Heinrich Maria Janssen aus Hildesheim in einem festlichen Gottesdienst die neu erbaute katholische Kirche St. Andreas und übergab sie ihrer Bestimmung. Heinz Chlebik als Sprecher der Kirchengemeinde gab auf dem Kirchweihfest einen Rückblick auf das 25 jährige Bestehen des Kirchspiels.

Das Gotteshaus, ein moderner, mit Platten und Glas verkleideter Bau, wurde unter den Schutz des heiligen Andreas gestellt, weil der Heilige in Südrussland und auf dem Balkan missionierte, also dort gewirkt hatte, wo viele der Katholiken aus Meine und Umgebung ursprünglich herstammten. Zwischen 1971 und 1982 erhöhte sich die Anzahl der zu betreuenden Katholiken in der Pfarrvikarie St. Andreas von etwa 1400 auf 1900: bistumsweit war dieser Anstieg fast einzigartig. Zu dieser Entwicklung hat die Aufsiedlung des Raumes zwischen Wolfsburg-Fallersleben und Braunschweig beigetragen. In den 70er Jahren hatte in den damals gebildeten Samtgemeinden Papenteich und Isenbüttel ein starker Zuzug der Braunschweiger und Wolfsburger Stadtbevölkerung eingesetzt, weshalb die Katholikenzahlen dementsprechend gestiegen waren.

Obwohl man schon 1973, als in Gifhorn die St. Altfridgemeinde eingerichtet wurde, vorgehabt hatte, die Pfarrvikarie St. Andreas in Meine zur Kirchengemeinde zu erheben, gab man diesen Plan schließlich wieder auf. Erst 1992 wurde die Gründung der Kuratie St. Andreas in Meine verwirklicht. Von ihr wurden damals 2173 Katholiken betreut. Dem Seelsorgesprengel der neueingerichteten Kuratie mit Sitz in Meine wurden jetzt weitere Kommunen aus der Samtgemeinde Papenteich eingegliedert.

Die seelsorgerische Betreuung der Katholiken in der Kirchengemeinde St. Andreas übernahm 1987 der amtierende Priester aus Gifhorn. Seit 1990 wird dieser durch einen Diakon unterstützt, der in Meine seinen Wohnsitz hat. 1996 wurde die Seelsorgeeinheit Gifhorn/Meine gegründet. Seit dem I . August 2004 hat die St. Andreas-Gemeinde, die zu dieser Zeit ca. 3000 Katholiken zählte, ihre Selbständigkeit verloren. Im Zuge der Zusammenlegung von Kirchengemeinden im Bistum Hildesheim ist sie nunmehr ein Teil der neu gegründeten Pfarrei St. Altfrid Gifhorn/Meine, was nicht heißt, dass das Gemeindeleben in St. Andreas an Lebendigkeit verloren hätte.

Die Seelsorgeschwerpunkte liegen auch heute noch in Meine, Calberlah und Groß Schwülper.

Der Kirchenchor St. Andreas wurde im November 1968 durch den damaligen Pfarrer Kudella mit 18 Mitgliedern gegründet und von ihm geleitet. Bis zur Auflösung 2011 gehörten noch vier aktive Gründungsmitglieder dem Chor an. Nach dem Weggang von Pfarrer Kudella folgten folgende Dirigenten: R. Rodegro, Dr. Kloppenburg, B. König und seit August 1990 Rosemarie Jung.

© 2013 St. Altfrid Gifhorn / Meine

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