Erntedankfest, 3.10.2021

Die Kirche begeht heute das Erntedankfest – und das in einer Zeit, die alles andere als Ruhe, Zufriedenheit und Zuversicht zu bieten scheint. Unsicherheit in der Politik, Verworrenheit in der Kirche, Corona und Klimawandel werfen die Fragen auf: Was kann ich da noch tun, wofür soll ich da noch danken? Kann ich überhaupt noch dankbar sein?
Vielleicht gibt uns Jesus in seinem Gleichnis vom Unkraut im Weizen, das uns der Evangelist Matthäus berichtet, eine Antwort
„Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!“ (Mt 13, 27-30)
Da finden Knechte also im Weizenfeld Unkraut und fragen ihren Gutsherrn: „Hast du nicht guten Samen auf den Acker gesät, woher kommt das Unkraut?“ Und sie wollen hingehen und es ausreißen. Doch der Gutsherr sagt „Nein, sonst reißt ihr mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst alles wachsen bis zur Ernte….dann werde ICH den Arbeitern sagen, sammelt zuerst das Unkraut…und bringt den Weizen in meine Scheune.”
Ist das nicht eine tröstliche Botschaft auch für uns in dieser turbulenten Zeit!? Gott hat Geduld! Die Ernte ist sicher. Eine wahrhaft frohe Botschaft! Sollte sie nicht auch uns ermutigen, die Ereignisse der Zeit gelassener zu betrachten? Auch das Unvollkommene, Erschreckende und Bedrohliche unserer Zeit braucht uns letztlich nicht zu beunruhigen, denn im Evangelium haben wir gehört, dass Gott das letzte Wort hat und alles zum Guten lenkt. Der Weizen kommt in die Scheune, wenn Gott die Zeit für gekommen hält.
Ist das nicht ein Grund zur Dankbarkeit? Alles, was wir augenblicklich in unserer Welt und Kirche als Unkraut empfinden, wird letztlich aussortiert. Das ist die Zusage, die der Gutsherr den Knechten gibt und er versichert ihnen, dass er tätig wird.
Auch mein Alltag kann gelingen, wenn ich auf das Wirken Gottes in meinem Leben vertraue, wie es die Knechte des Gutsherrn taten. Sie gaben sich mit seiner Aussage zufrieden, dass er den Zeitpunkt der Ernte bestimmt. Ein vielleicht auch Ihnen bekanntes Lied bringt diesen Gedanken zum Ausdruck:
„Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.“
In diesem Vertrauen ist auch unserer Zeit, der Kirche und mir persönlich die Ernte gewiss. Öffnen wir unsere Ohren und Herzen für die hoffnungsvolle Botschaft des Liedes, dass Gott uns jeden Tag seine liebende Nähe schenkt. Das sollte uns mit Dankbarkeit erfüllen. So können wir auch heute – eigentlich auch täglich – ERNTEDANK feiern und uns an den vielfältigen Gaben freuen, die uns schon jetzt geschenkt werden.
Eine dankerfüllte Woche wünsche ich uns allen
Ihr Robert Solis, Pastor

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