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Impuls: “Alles gut!?”

Wie oft haben Sie in den letzten Tagen diese Antwort gegeben, auf die Frage, wie es Ihnen geht oder selbst Fragen gestellt, auf die Sie diese Antwort erhalten haben: alles gut! Ich denke dabei immer an die Umfänglichkeit dieser Aussage und stelle häufig fest: stimmt nicht! Eigentlich ist meistens nicht immer alles gut, vieles sicherlich. Aber warum hat sich unsere Sprache so radikal verkürzt, wenn es um unser Befinden geht. Bayrisch und österreichisch antwortet man mit: passt schon! Auch nicht viel aussagekräftiger. Wollen wir nicht mehr hören, wie es eigentlich um das Befinden des/der jeweils anderen steht? Was soll ich denn auf „alles gut“ antworten: dann is ja gut oder stimmt das wirklich? Sicher, manchmal bedarf es der kurzen Antwort, wenn mich jemand fragt und ich innerlich denke: das geht Dich gar nichts an oder willst Du das wirklich wissen?
Unsere Sprache sieht eine Vielfalt von Formen vor, um dem/der jeweils anderen Person zu signalisieren, dass mich sein und ihr Befinden wirklich interessiert, mit mehr als nur einem Wort und vor allem mit Zeit. Aber es gibt noch einen zweiten Hintergrund zur knappen Auskunft: alles gut! Es ist die tiefe Sehnsucht, dass doch alles gut sein möge, dass Genesung auf Krankheit folgt, Versöhnung auf Streit, dass Zuversicht, die die Angst überwindet, dass Beziehungen, die zerbrochen oder abgebrochen sind, wieder neu geknüpft werden. Christen drücken diese Sehnsucht mit anderen Worten aus: dass Segen über unserem Leben liegen möge, um es in etwas abgewandelter Form mit einem Zitat von Vaclav Havel auszudrücken: Segen ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern das Vertrauen, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen alles Gute und Gottes Segen

Ihr Martin Wrasmann
P.S: und bezogen auf die Fußballeuropameisterschaft: egal, wie es ausgeht, alles gut, für wen auch immer