Wort zum Heiligabend

„Uns ist das Leben dazwischen gekommen! 🙂 Wir erwarten im nächsten Jahr ein Kind!“

Mit diesen freudigen Worten fing die Email eines Brautpaares an. Sie baten darum, ihre Hochzeit vom nächsten Jahr auf das Jahr 2022 zu verschieben. Später gaben mir die Erlaubnis, ihre Worte hier zu zitieren.

„Uns ist das Leben dazwischen gekommen! :-)“ „Hoffnungsvoller kann man das nächste Jahr nicht erwarten“, so meine Antwort.

Kinder waren und sind Hoffnungszeichen. Schon in der Krippe zu Bethlehem war es so und so wird es auch in Zukunft immer sein.

Damals, in Bethlehem, waren die Umstände der Geburt alles andere als ideal. Maria und Josef sind unterwegs und fern ihrer Heimat. In der Herberge finden sie keinen Platz und der Stall als Geburtsort ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch wenig komfortabel. Es riecht hier nicht nach Reinheit und Desinfektionsmitteln, sondern nach Heu, Stroh, Ochs und Esel. Trotzdem, oder gerade deshalb, wird die Geschichte dieser besonderen Geburt seit 2000 Jahren an allen Ecken und Enden unserer Erde in allen erdenklichen Lebenssituationen immer am 24. Dezember vorgelesen. Vermutlich haben wir es hier mit der am häufigsten vorgelesenen Geschichte der Weltliteratur zu tun. Lukas, der Verfasser, hat damals bestimmt nicht geahnt, welchen Hoffnungsschatz er mit seiner Weihnachtsgeschichte der gesamten Menschheit zur Verfügung stellt.

Enge Verwandte der Hoffnung heißen Optimismus, Vorfreude, Zuversicht und Glaube an das Gute. Hoffnung ist aber noch viel mehr. Vaclav Havel, der langjährige tschechische Präsident, hat dies meisterhaft ausgedrückt: „Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“ Vaclav Havel war alles andere als ein Karrierepolitiker. Für seine Überzeugungen von Menschlichkeit und Demokratie wurde er insgesamt fünf Jahre ins Gefängnis gesperrt.

Wie steht es um Ihre Hoffnung in der Coronazeit? Wie steht es um die kleinen Hoffnungsgeschwister Optimismus und Zuversicht, wenn es sich schon fast verbietet, in diesen Zeiten von einer Gewissheit zu sprechen, dass etwas Sinn hat.

Maria und Josef, damals in Bethlehem, ist auch das Leben dazwischen gekommen. Nach der Geburt Jesu, nach Weihnachten, standen sie vor großen Herausforderungen und wurden an ihre Grenzen geführt. Ihnen hat dieses Ereignis Kraft und Mut geschenkt, ungewöhnliche Wege zu gehen, Strapazen auszuhalten und niemals aufzugeben. Ihre große Hoffnung und ihr Sinn wurde in einer Krippe geboren und heißt Jesus.

Gibt es etwas, was wir, im übertragenen Sinn, in die Weihnachtskrippe legen können im Vertrauen darauf, dass es zu einem Hoffnungslicht heranwächst? Wie viele Ängste, Zweifel, Schmerzen und Irritationen, wie viel Wut, Leid, Enttäuschung und Unverständnis werden in diesem Jahr in den Krippen dieser Welt liegen? Wie oft aber wird auch in den nächsten Wochen und Monaten das Leben dazwischen kommen – die Hoffnung, die ein Kind ausstrahlt – die Freude, die ein Lächeln auslöst – das Glück, das durch eine gute Nachricht aufgeweckt wird – das Wohlgefühl, das durch geschenktes Vertrauen entsteht? Kann es sein, dass die Hoffnung doch nicht unterzukriegen ist, nicht von Corona, nicht von einer zerrissenen Welt und nicht von irgendwelchen Despoten? Ich glaube, das alljährliche Weihnachtsfest ist genau dazu da, die Hoffnung immer wieder in uns anzufachen und zu stärken.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen zu Weihnachten und im kommenden Jahr das Leben dazwischen kommt. Möglichst oft, vielleicht auch auf ganz überraschende oder gar schräge Art und Weise, laut oder leise, stark oder schwach, aber immer spürbar lebendig und hoffnungsvoll.         

                                                                                                        Thomas Hoffmann

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