Wort zum Ostersonntag, 17. April 2022

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen in aller Frühe zum Grab Jesu. Das Osterevangelium (Johannes 20,1-9) unterstreicht gleich im ersten Vers: „Es war noch dunkel“. Dieser Hinweis ist nicht bloß eine Zeitangabe, um uns beiläufig darüber zu informieren, zu welcher Uhrzeit die Frauen zum Grab ihres Meisters eilten. Er steht auch für die Dunkelheit, die das Leben der Frauen in diesem Moment umgibt. Dieses Detail steht für die Sorgen, die sie in den Kopf schießen: die Sorge wegen des Todes ihres Freundes, die Sorge wegen des schweren Steins am Grabeingang, die Sorge über eine ungewisse Zukunft ohne den Meister.

Auch wir versammeln uns zur Feier von Osten im Dunkel in der Osternacht oder am Frühmorgen und sind nicht frei von Sorgen: individuelle Sorgen, die mit der persönlichen Situation wie Krankheit, Arbeitsverlust, Beziehungsabbruch, zerbrochene Liebe zusammenhängen; aber auch gesellschaftliche Sorgen, die von der seit zwei Jahren andauernden Corona-Pandemie und von dem jüngsten Krieg in der Ukraine ausgelöst werden. Wir erleben eine dunkle, schwere Zeit. Angst breitet sich aus. In dieser unserer Dunkelheit wünschen wir uns das Ende der Pandemie, das Ende des Krieges, das Ende unserer Leiden, das Ende der Nacht. Wir wollen frei von unseren Sorgen und Ängsten werden. Wir warten sehnsüchtig und hoffen intensiv auf einen neuen Morgen, auf eine neue Zeit.

Mit Ostern schenkt uns Gott diesen Morgen. Es ist der Morgen, an dem die Frauen zum Grab gingen. Ähnlich wie für „Dunkel“ bzw. „Nacht“, so steht auch „Morgen“ hier nicht nur für eine Zeitangabe, sondern für neues Leben, für Neubeginn. Am Grab, wo alles tot und verloren zu sein schien, beginnt neues Leben, und zwar nicht nur für Christus, sondern auch für die Frauen, für die Jüngerinnen und Jünger Jesu aller Zeiten. Gottes Liebe zeigt sich somit stärker als die Nacht des Todes.

Dieser Glaube verschont uns zwar nicht von weiteren Nächten im Leben: von Sorgen, Kummer, Trauer. Aber die Erfahrung des Ostermorgens, ja die Erfahrung, dass ein neuer Morgen immer möglich ist, lässt uns darauf vertrauen, dass auch diese Nächte von Gott besiegt, ja erhellt werden können: Hoffnung ist wieder möglich dort, wo Leben verdorrt war; Güte dort, wo Liebe zerbrochen war; Kontakt dort, wo Beziehungen tot waren; Freude dort, wo Lachen erstickt war; Frieden dort, wo Krieg herrschte.

Der auferstandene Herr lasse auch uns auferstehen aus Not, Leid, Dunkelheiten, Hoffnungslosigkeit und Resignation. Er führe uns zu einem neuen Leben.
Frohe Ostern!

Pastor Manzanza

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