Wort zum Sonntag, 05.09.2021

Bei unserer Taufe hat der Priester oder der Diakon uns die Ohren und den Mund berührt mit dem Worten „Derr Herr lasse dich heranwachsen und […] öffne dir Ohren und Mund, dass du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes. Effata – öffne dich!“.

Entnommen wurden diese Worte dem heutigen Evangelium (Mk 7,31-37), in dem Markus von der Heilung des Taubstummen berichtet. Dieses Ereignis versteht er als ein Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes unter den Menschen. Der Evangelist möchte nämlich belegen, dass mit Jesus Christus, dem Mann aus Nazareth, die Weissagungen der Propheten in Erfüllung gegangen sind, wie etwa bei Jesaja (35,5-6) zu lesen ist: Wenn der Messias da ist, werden die Augen der Blinden, die Ohren der Tauben und die Zunge der Stummen geöffnet. Diese Vision des Jesaja ist mehr als nur Zukunftsmusik. Das Markusevangelium erzählt beispielhaft, wie diese Vision schon Realität ist und wie die Menschen in der Begegnung mit Jesus Gottesheil erfahren, vorausgesetzt dass sie sich dafür öffnen. Das Sich-Öffnen macht das Wunder erst möglich, lässt Gottes Wirken erfahrbar werden.

Darum stellen diese Worte „Effata – Öffne dich“ aus dem Taufritus auch eine Aufforderung, einen Auftrag für unser Christsein dar. Christliche Offenheit ist nämlich kein passives Geschehen.  Sich öffnen bedeutet zugleich wahrnehmen und handeln. Christliche Offenheit meint: Das, was ich höre, sehe und erfahre, wahrzunehmen, zu betrachten, bedenken, reflektieren und in ein verantwortungsvolles Handeln umzusetzen. „Effata – Öffne dich“. Mit diesen Worten werde ich nicht nur zum Hören bzw. Lesen des Wortes Gottes in der Bibel oder zum Beten und Singen, zum Feiern des Gottesdienstes aufgefordert. Diese Worte meinen auch: Erkenne was Gott dir Gutes getan hat und noch heute tut. Erkenne die Spuren seiner Liebe und Nähe auch in den Menschen, die mit dir den Glauben bezeugen durch ihr Engagement in der Gemeinde, in der Gesellschaft, in der Welt. Erkenne und bekenne es, freue dich darüber und sei dankbar.  

„Effata – Öffne dich“ meint auch: Vernimm die Anliegen deiner Mitmenschen, ihre Sorgen und Nöte, ihre unausgesprochenen Bitten und antworte darauf mit Hingabe, mit Engagement. „Effata – Öffne dich“ meint schließlich: Schweige nicht, wo du reden solltest. Sag, was dich im Leben bewegt und wie du aus dem Glauben dein Leben meisterst. Bedenke, wie vielen Menschen geholfen werden könnte, wenn deine Zunge von Angst und dein Mund von Stummheit gelöst wären. Ja, meine Stimme ist gefragt nicht nur in innerkirchlichen Angelegenheiten, sondern auch in zivilgesellschaftlichen Fragen: z.B. jetzt in dieser Corona-Zeit, wo die Solidarität der ganzen Gesellschaft notwendig ist, um die Pandemie zu bekämpfen. Oder bei der bevorstehenden Wahl, wo wir unsere Stimme verantwortungsbewusst und zukunfts- und wertorientiert abgeben sollen. Effata – Öffne dich auf Gott hin und auf die Menschen zu. Amen!

Einen gesegneten Sonntag und einen guten Start ins neue Pastoraljahr wünscht Ihnen

Pastor Willy Manzanza

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