Wort zum Sonntag. 12.09.2021

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn Menschen sich eine Zeit lang kennen und wenn es aussieht, als könne sich da eine tiefere Beziehung entwickeln, eine Lebensgemeinschaft, dann kommt bald der Zeitpunkt, an dem sie wissen wollen, was sie dem anderen denn bedeuten, wer sie denn sind für den anderen.

Und dann will der, der da fragt, nicht wissen was „man“ so von ihm sagt und hält, sondern dann fragt er: „Wer bin ich für dich? Für wen hältst Du mich?“ Und von der Antwort wird es abhängen, ob diese Beziehung eine Zukunft hat, ob das was von Dauer ist – oder eben nicht.

So ist es auch sowohl bei Jesus als auch bei seinen Jüngern. Sie kennen sich eine ganze Weile, er hat sie gelehrt und mit ihnen gelebt – und jetzt will er wissen, was er ihnen bedeutet: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? so fragt Jesus an dieser Stelle.

Und dann legt Petrus dieses Messias Bekenntnis ab: „Du bist der Messias Gottes“, und das heißt: du bist der Retter und Erlöser, auf dich vertraue ich.

Jesus verbietet seinen Jüngern es weitersagen, weil die Juden in der Zeit einen Messias mit der irdischen Macht und Glanz erwarteten. Einmal wollen sie schon Jesus zum König machen. Und das will Jesus nicht.

Jesus hat wohl Angst, dass die Menschen ihn missverstehen und falsche Erwartungen an ihn haben. Er ist gekommen, um die Menschen zu erlösen, um sie wieder zu Gott zurück zu führen, aber er ist nicht da, um eigentlich nur ihre materiellen oder psychologischen Probleme zu bewältigen.

Und damit auch diese Jünger – und sicher auch, damit wir uns keinen falschen Hoffnungen hingeben, deshalb fügt der Evangelist gleich dieses harte Wort vom Kreuztragen und vom Sterben hinzu.

„Wer mir folgen will, verleugne sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf sich…Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren“.

Nun, leider hat dieses Wort zu Missverständnissen in unserer Kirche geführt. Es wurde uns oft genug sehr einseitig verkündet:

Nur was schwer ist, ist gut… Nur wenn wir uns ein Kreuz suchen, sind wir gute Christen… Wer es sich zu leicht macht, dem ist das Paradies verschlossen.

Als ob Jesus so etwas gemeint hätte! Jesus will uns doch erlösen und nicht mit schweren Kreuzen umbringen. Jesus will Heil schenken und nicht Kreuze aufladen.

Das Christentum ist nicht nur das Kreuz aber vor allem die Auferstehung.

Darum begleitet uns die zweite Lesung: Versucht euch, das Heil zu den Menschen zu bringen. Nichts für sich behalten zu wollen, wenn ein anderer es braucht. Nicht immer nur um das eigene Wohl besorgt zu sein, sondern sich auch um das Wohl der anderen sorgen.

Liebe Schwestern und Brüder,

diese Kreuze, von denen Jesus spricht, die stehen nicht auf Golgotha, sondern vor unserer Haustür oder sogar in unserem Hause. Und sie sind nicht dazu ausgerichtet, um uns unser Leben zu nehmen oder uns umzubringen, sondern damit wir sie tragen für andere – damit andere dadurch mehr haben, mehr Glück, mehr Freude, mehr Leben. Genauso war es mit dem Kreuz Jesu.

Am Ende möchte ich eine ältere christliche Legende erzählen, die uns auf die große Bedeutung unseres Kreuzes hinweist.

Ein Mensch war immer unzufrieden mit den Schwierigkeiten seines Lebens und hat viel über den Herrn gemurrt, weil er ein schwieriges Kreuz tragen muss. Gott hat ihm im Traum eine Antwort gegeben. Im Traum hat der Mann eine Menge gesehen. Alle Leute haben sein persönliches Kreuz getragen. Er selbst trug auch sein Kreuz, aber das Kreuz schien ihm zu schwer. Deshalb hat er sein Kreuz abgeschnitten. Jetzt war es viel leichter zu gehen. Aber bald darauf hat der Weg geendet und er befand sich am Rande des Abgrundes. Auf der anderen Seite war die geöffnete Himmelstür. Wie kann man dahin hinüberkommen? Der Mann hat bemerkt, dass die anderen Menschen ihre Kreuze über den Abgrund wie eine Brücke schlagen und in das Paradies kommen. Aber sein Kreuz war schon zu kurz. Der Mann blieb nicht weit von der Himmelstür stehen.

Wir tragen das Kreuz, an dem Christus hängt, der versprochene Messias und unserer Erlöser.

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