Wort zum Sonntag, 12.12.2021

Liebe Schwestern und Brüder!

Der dritte Adventssonntag hat in der Tradition der Kirche den lateinischen Namen ‚Gaudete’. Dieses lateinische Wort ‚gaudete’ heißt einfach: ‚freut euch’. Die ganze Adventszeit steht eigentlich wie dieser dritte Adventssonntag unter dem Stichwort Freude, auch die Lesungen heute.

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“ Mit diesem Aufruf beginnt der Briefschluss des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi, aus dem die heutige Lesung genommen ist. Paulus wiederholt es sogar noch einmal. Freude ist für ihn die zentrale christliche Erfahrung. Es ist nicht der Spaß, den ich habe, wenn etwas Tolles passiert. Freude braucht nicht Event auf Event. Vielmehr ist hier eine tiefe liegende, das Leben erfüllende Erfahrung gemeint. Diese Freude strahlt Ruhe, Souveränität und Kraft aus, weil sie aus der Erfahrung der Nähe Gottes kommt. Menschen, die tief ins Gebet versunken sind, werden nach außen nicht lustig erscheinen. Sie können aber diese Freude erfahren, dass Gott uns nahe ist.

Deswegen ist es Freude “im Herrn“. Tatsächlich ist das die einzige Freude, die es gibt. Nicht weil Christen nur in Gebet, Meditation und Gottesdienst Freude erfahren. Vielmehr, weil ihre Beziehung zu Christus, dem Herrn alles, wirklich alles durchdringen und erfüllen kann. Paulus selbst sitzt in dem Augenblick, in dem er diese Zeilen schreibt, im Gefängnis. Er heißt damit nicht die Ungerechtigkeit seiner Verhaftung gut, so wenig er andere Formen von Ungerechtigkeit und Armut gutheißt. Er erfährt aber ganz persönlich, dass nichts in dieser Welt ihm die Freude nehmen kann, die er erfahren hat in der Güte Gottes.

Das betrifft jede Sorge. So ist auch der Satz gemeint: „Sorgt euch um nichts!“ Nicht dass wir gedankenlos sein sollen, bedeutet dies. Paulus selbst ist ein reflektierender und gebildeter Charakter, der sehr genau seine Zeit und Lebensumstände analysiert. Aber ich stelle mir Paulus als einen Menschen vor, der gut schläft – allein, weil er erfahren hat, dass er jede Sorge Gott anvertrauen kann.

Das Bekenntnis zu Christus, dem Herrn, ist höchst relevant. Es ist keine fromme Floskel, sondern eine Lebenseinstellung. „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ In „jeder Lage“, in den privaten Beziehungen, den Problemen in Studium und Arbeit, in Unsicherheit und Erfolg, ja sogar im Gefängnis und in der Corona-Pandemie, formuliert der Beter vor Gott, was ihn bedrängt – mit Dank, dass all dies uns nicht trennen kann, nicht vom Herrn und nicht voneinander, wenn wir in dem gemeinsamen Beten und Feiern Gott danken.

Und wenn wir es wirklich tun, dann kann „der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, unsere Herzen und unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.“ Menschen, die Güte ausstrahlen, wissen, dass es einen Frieden gibt, der alles Machen und Verstehen übersteigt. Andere mögen dann sagen: Das ist mir zu hoch, da steig ich aus. Gütige Menschen werden sagen: Dieser Friede wird mir geschenkt. Da will ich mit meinen Kräften weitergeben, was mich selber trägt.

In diesem Sinne, gesegneten 3. Advent!

Ihr Pastor Gabriel Makinisi

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