Wort zum Sonntag, 15. Mai 2022

In der zweiten Lesung hören wir heute, am 5. Sonntag der Osterzeit, einen Abschnitt aus der Offenbarung des Johannes. Dieses letzte biblische Buch veranschaulicht das planvolle endzeitliche Handeln Gottes. Die Johannesapokalypse mit ihren Siegel-Visionen, mit den Bildern von den vier apokalyptischen Reitern, dem schrecklichen Szenario vom Krieg, dem Weltuntergang und Jüngsten Gericht wirkt für die einen erschreckend und pessimistisch, andere halten sie für unverständlich und stehen ihr ablehnend gegenüber. Bei diesen Interpretationen übersieht man aber oft das Wichtigste: Die Offenbarung endet in der letzten und herrlichsten Vision mit dem Bild der himmlischen Stadt Jerusalem und der Zusage Jesu, dass er kommt.  Sie enthält die Vision des wunderbar erneuerten Paradieses, eine wahrlich österliche Vision, in der es heißt: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde […]. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen […]. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein […]. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.  Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“ (Offn 21, 1-5a) Unser Gott, der jeden von uns kennt, bürgt für die Wahrheit dieser Offenbarung. Es gilt also für mich ganz persönlich, wenn er durch den Propheten Jesaja spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“. (Jes 43,1)

Das neue, himmlische Jerusalem ist ein Symbol des ewigen Lebens in der Gemeinschaft mit Gott und den Heiligen, den Menschen, die uns schon vorausgegangen sind. Als Christen haben wir bereits jetzt und hier Anteil an dieser neuen Welt. In Jesus Christus wurde Gottes Nähe für die Menschen damals in vielen Begegnungen sicht – und spürbar. In ihm und in seinem Wirken offenbarte sich die Menschenfreundlichkeit unseres Gottes, die aber für immer gilt. Gott will dem Menschen nahe sein; in jeder Situation seines Lebens, gerade dann, wenn er einsam und allein an dem Sinn seiner Existenz zweifelt, wenn er leidet und wenn sein irdisches Leben zu Ende geht.  Christi Zusage gilt auch uns: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. “ (Joh 11, 25b) Diese Worte können wir als die Kernaussage seines Evangeliums verstehen. In seiner Auferstehung wurde der Tod besiegt und die Tore des neuen Jerusalems allen geöffnet, die an ihn glauben! Die neue Wirklichkeit aus der apokalyptischen Vision des Johannes ist schon in unsere heutige Welt eingebrochen. Seit Ostern, seit der Auferstehung Jesu ist sie ein Teil auch unseres Lebens und unserer Geschichte. Die im wahrsten Sinne des Wortes frohe, österliche Botschaft lässt uns die menschliche Existenz mit ihrer Vergänglich- und Sterblichkeit aus einer ganz anderen Perspektive sehen.

Das Christentum ist die große, starke Botschaft vom Leben, vom ewigen Leben: Gott will, dass wir leben und er lädt uns ein, schon jetzt an dieser Wirklichkeit teilzuhaben und aus ihr Kraft zu schöpfen für den Alltag. Was immer wir von Gott wissen, wie immer er sich den Menschen geoffenbart hat, immer geht es um dies eine: mit ihm auf ewig in Liebe vereint zu sein heute und in Ewigkeit.

Bitten wir Gott, dass er diesen österlichen Glauben, diese Hoffnung und Zuversicht in uns stärke, damit wir besonders in dieser unruhigen und furchterregenden Zeit unseren Alltag bewältigen können.

Eine gesegnete Woche

Robert Solis, Pastor

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