Wort zum Sonntag, 2.8.2020

„Es reicht nicht!“

„Es reicht nicht!“ – diesen Satz haben einige von uns schon gehört und viele von uns haben ihn schon gespürt. Es reicht nicht für die erste Mannschaft, es reicht nicht für die Beförderung, am Schuljahresende reichen die Leistungen nicht für eine Versetzung, die Zuneigung reicht nicht für eine Beziehung, die Gesundheit reicht nicht für die Teilnahme an der Fahrradtour, die körperlichen Voraussetzungen reichen nicht für eine Modellkarriere, die sprachlichen Fähigkeiten reichen nicht für die Arbeit mit Kunden, das Geld reicht nicht für ein zufriedenes Leben.

Wir leben in einer Welt hoher Anforderungen. Wir sind aufgerufen, uns ständig zu verbessern. Es gilt, das Beste aus sich herauszuholen und zu machen. Optimieren heißt das Schlüsselwort. Fortbildungen, Coaching, Netzwerkarbeit, Schönheitsoperationen – für den Erfolg wird viel getan. Um das eigene Selbstwertgefühl aufzubauen oder das Optimum herauszuholen werden große Anstrengungen unternommen. Die Optimierung meiner Person, meiner Fähigkeiten, Gaben und körperlichen Voraussetzungen ist eine riesengroße Aufgabe.

Den Sätzen „es reicht nicht!“ und „es gibt immer etwas zu verbessern“ verdanken wir sehr viel. Ohne sie gäbe es keinen Fortschritt. Ohne sie gäbe es wenig Entwicklung. Ohne sie gäbe es selten eine vorausschauende und zukunftsorientierte Planung. Sie sind die Basis für viele Erfolge.

Ob als Ergebnis dann aber nach einiger Zeit die Sätze stehen „es reicht!“, „es ist gut!“, „jetzt bin ich dort angekommen, wo ich hinwollte und muss mich nicht mehr so anstrengen“ ist zumindest fraglich. „Es reicht nicht!“ kann zu einem lebenslangen Antrieb und Wettlauf werden, viel Kraft kosten und dennoch nicht ans Ziel führen. Reicht es wirklich einmal oder weckt die Erreichung eines Zieles nicht vielmehr das Bedürfnis und die Lust nach zwei neuen? So wichtig dieser Satz ist, so anstrengend und gefährlich kann er auch werden.

„Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische“ sagen die Jünger im Evangelium (Mt 14, 13-21). „Zu wenig für so viele, wer soll davon satt werden, es reicht nicht“, davon sind sie überzeugt. Ihr Vorschlag: Die Leute sollen weggehen und sich etwas kaufen.

„Bringt die Brote und die Fische!“ sagt Jesus. Er spricht den Lobpreis über das Vorhandene und lässt es austeilen. Und siehe, es reicht! Alle werden satt und für die Reste werden zwölf Körbe benötigt.

Im Evangelium hält Jesus keinen Vortrag. Er belehrt die Jünger nicht. Er macht nicht auf schlau. Sie sollen auf ihn schauen, ihn erleben, in seiner Nähe sein und erfahren: „Es reicht!“

Vermutlich kommen wir aus diesem Grundgefühl „es reicht nicht“ nur schwerlich heraus. Es wird bleiben. Solange wir leben sind wir nur zum Teil erlöst.

Unsere Erlösung hat aber schon begonnen. Manchmal spüren wir sie sogar. Manchmal haben wir den Eindruck, so wie wir sind, so wie es ist, ist es gut. Es gibt sie schon, die Momente der Zufriedenheit mit sich selbst und der inneren Ruhe. Sie stellen sich übrigens häufig in der Kirche ein, beim Gottesdienst. Oder in der freien Natur. Oder an einem schönen Sommerabend daheim. Oder wenn ein Kind lacht. Oder bei dem freundlichen Zulächeln eines vertrauten Menschen. Leider sind es oft nur kurze Geschenke, die nicht lange bei uns bleiben. Wir nennen sie dann oft Glück oder Glücksmomente.

Bei Jesus gelten besondere Gesetze als sonst üblich. In seiner Nähe ist er der Maßstab und stellt die Regeln auf. Im Evangelium sagt er uns heute: “Es reicht!“ Gott hat uns gut geschaffen, für ihn müssen wir nicht alles erreichen, für ihn müssen wir nicht an der Spitze stehen. In seiner Nähe können wir groß und satt werden, auch wenn wir scheinbar gar nicht so viel anzubieten oder uns durch eine große materielle Fülle abgesichert haben.

Jesus schickt uns nicht weg, damit wir uns etwas zum Essen kaufen. In der Kirche bekommen wir in der Eucharistie sogar ein großes Geschenk, Jesus selbst. Damit erfüllt sich der Aufruf aus der ersten Lesung: „Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen“ und etwas weiter “warum bezahlt ihr mit Geld, was Euch nicht nährt, und mit dem Lohn Eurer Mühen, was Euch nicht satt macht?

Das Evangelium schildert uns noch, dass Jesus anordnete, die vielen Menschen mögen sich ins Gras setzen, um in Ruhe zu essen. Es gibt kein Fastfood und kein Essen to go. Bei Jesus können wir ausruhen, bei ihm ist alles anders.

Es reicht, in Jesu Nähe werden alle satt, dass ist die frohe Botschaft des heutigen Evangeliums.                           

Thomas Hoffmann

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