Wort zum Sonntag, 26.06.2022

Das zentrale Thema des heutigen Sonntags ist die Berufung und Nachfolge. Im Evangelium (Lk 9,51-62) macht Lukas in vier Szenen deutlich, worauf es Jesus ankommt, wozu Nachfolge und was für die Nachfolge wichtig ist. Dieses Thema spricht mich vor allem als Priester an. Ich erinnere mich daran, wie ich vor 33 Jahren als junger Priester durch die Dörfer
im Kongo gezogen bin, die Frohe Botschaft verkündete und andere Menschen für Jesus begeistern und gewinnen wollte.
Ich denke heute noch an manche Ereignisse, die an die erste Szene im Evangelium erinnern: Nicht alle Dörfer, auch nicht alle Menschen in jedem Dorf waren bereit, den christlichen Glauben anzunehmen. Auch hier musste ich lernen, die Entscheidung dieser Menschen zu respektieren. Ich musste lernen, dass Glaube sich nicht erzwingen lässt. Denn Jesus kommt es nicht darauf an, dass alle in der Gesellschaft zwangsläufig ihn aufnehmen, sondern dass diejenigen, die ihn aufnehmen, durch ihr leben und Zeugnis, ja durch eine lebendige Nachfolge, das Reich Gottes erfahrbar machen. Die Reaktion Jesu auf den Strafgedanken von Jakobus und Johannes gegen das samaritische Dorf kann angesichts der Kirchenaustritte und der immerwährenden geringen Anzahl der Gemeindemitglieder uns Christen in unserem
persönlichen Glauben stärken.
Mein Weg aber war nicht nur von Belastung und Mühe gekennzeichnet. Ich habe auch erlebt, welche Kraft und Freude in mir strömen, wenn ich mir vergegenwärtige, dass ich in meinem priesterlichen Dienst von Gott selbst und von vielen Menschen begleitet und getragen werde. Ich muss die Last der Arbeit nicht allein tragen. Das gibt Trost und Mut, weiterzumachen. Gott beruft viele andere Menschen. Alle müssen nicht Priester werden. Aber wenn sie ihrer Erwählung durch Taufe und ihren Begabungen bewusst sind und ihrer Berufung zustimmen, können auch sie ohne Weihegewalt und Talar in ihrer Situation als Jugendliche, Eltern, Arbeiter, Geschäftsleute, PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen Entschlossenheit in der Nachfolge und lebendige Nachfolge bezeugen.
Die Weisungen Jesu im Evangelium an Menschen, die ihm nachfolgen wollen, sollen uns nicht erschrecken, weil sie nicht wörtlich zu verstehen sind. Der Herr will nicht etwa, dass wir einen verstorbenen Verwandten oder Freund nicht beerdigen oder dass wir nicht Abschied nehmen von unserer Familie, unseren Freunden bzw. Arbeitskollegen, wenn wir uns in einen besonderen Dienst stellen. Diese Weisungen wollen das bekräftigen, was wir bereits aus dem Lukasevangelium am vergangenen Sonntag hörten, nämlich: Lass das Leiden, die Sorgen, kurzum dein Kreuz, dich auf dem Weg des Glaubens und in deinem Engagement als Christ in der Gemeinde, in der Kirche, in der Gesellschaft nicht lähmen. Gib dich in die Hand Gottes. Vertraut der Hand des Vaters.
Ich wünsche Ihnen einen schönen sonnigen Sonntag.
Pastor Willy Manzanza

Impressum

Katholische Pfarrei
St. Altfrid Gifhorn / Meine 

Pommernring 2 
38518 Gifhorn
Tel: 05371/12864 
Fax: 05371/57765 
pfarrei@altfrid-gifhorn.de

Kontonummer

IBAN: DE49 2695 1311 0037 0013 10