Wort zum Sonntag, 26.07.2020

Tatsächlich, es gibt Schatzsucher in unserem Land. Auf Youtube sind sie zu bewundern. Mit Sonden suchen sie den Boden nach Metallteilen ab. Sie sondeln, so das neudeutsche Wort für diese Tätigkeit. Alte Münzen oder Schmuck sind natürlich die beliebtesten Fundstücke. Oft finden sich aber nur schrottige Metallteile, manchmal auch alte Waffen.

Natürlich gibt es weltweit auch die Schatzsuche im großen Stil. Mit Booten und modernster Technik wird nach der wertvollen Ladung versunkener Schiffe gesucht.

Neben der Schatzsuche, die geplant und aktiv betrieben wird, gibt es noch den zufälligen Schatzfund. Dabei stoße ich urplötzlich auf einen Schatz. Ich habe nicht damit gerechnet und bin vollkommen überrascht.

Im heutigen Evangelium haben wir es vermutlich mit beidem zu tun, mit einem Schatzfund und mit der Schatzsuche. (Evangelium: Mt 13, 44-46)

In der Antike war es durchaus üblich, Schätze zu verstecken. In Krisen- und Kriegszeiten wurde Wertvolles manchmal vergraben, weil es keine sicheren Aufbewahrungsorte gab. Manchmal wurden dann die Schatzverstecker vertrieben oder sind gestorben. Niemand wusste dann von dem Versteck. So war es denn ein Traum vieler Menschen, so einen Schatz zu finden. Das war der damalige Lotto Jackpot. Wer schwer schuftend mit einem kargen Lohn für einen Gutsbesitzer von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang den Acker umpflügt, dem kommt natürlich der Gedanke vom Schatz im Acker.

So ein Schatz wird im heutigen Evangelium gefunden. Vermutlich wurde er zufällig gefunden und ganz sicher nicht von dem, dem der Acker gehört.

Parallel dazu überliefert uns Matthäus ein weiteres Gleichnis. Es wird immer das Gleichnis von der kostbaren Perle genannt. Ich glaube, das ist eine falsche Bezeichnung, denn das Gleichnis beginnt ja nicht mit dem Satz „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einer kostbaren Perle …“, sondern: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte …“ Auch das war in der Antike üblich. Es gab reisende Kaufleute. Dieser hier ist ein Perlenschatzsucher. Er sucht ganz bewusst und hat den Blick für die Perle seines Lebens.

Beide finden etwas sehr Wertvolles. Der eine ist vermutlich nicht sehr reich, der andere verfügt ziemlich sicher über Geldmittel. Beide verkaufen alles, was sie haben.

Diese Gleichnisse erzählen vom Himmelreich. Das hat nichts mit dem Himmel über uns zu tun. Das hat auch nichts mit Zukunft zu tun. Der realen Welt wird auch keine Absage erteilt. Im Gegenteil: Es geht um die Gegenwart. Das Wort Himmelreich beschreibt eine neue Wirklichkeit, die mit Jesus begonnen hat und immer wieder neu beginnt. Sie ist so bedeutend, so schön und so wertvoll, dass ihr gegenüber alles andere nicht wichtig und auch nicht wertvoll ist.

Ein Gleichnis ist immer ein Aufreger. Deshalb wird es mit einem offenen Ende erzählt. Es aktiviert die, die es hören. Es regt zum Nachdenken an. Die Auslegung ist deshalb nie abgeschlossen. Sie geht heute weiter. Was ist Ihr Schatz? Haben Sie schon den Schatz gefunden? Suchen Sie überhaupt? Was könnte die kostbare Perle in ihrem Leben sein?

Die Beantwortung dieser Fragen ist abhängig von ihrer Lebenssituation. Sind sie jung oder alt, gesund oder krank, zufrieden mit Ihrer Arbeit oder nicht, ist die familiäre Situation aktuell unproblematisch oder eher schwierig; sind sie gerade gut bei Kräften oder überlastet? Hinzu kommt noch die Grunddisposition: Haben sie Talent zum Glücklichsein oder Talent, das Glück nicht zu finden? Würden sie einen Schatz erkennen oder an ihm vorbeilaufen?

Die Gleichnisse sind für uns so herausfordernd, weil beide Männer entschlossen handeln. Da ist kein Zögern, kein großes Nachdenken, kein: „es könnte ja noch besser kommen“. Beide erbitten sich keine Bedenkzeit. Einmal einen Schatz oder die Perle zu finden und dann sofort zuzugreifen, das lässt sich von ihnen lernen. Es geht nicht darum, immer nur auf der Suche zu sein, sondern auch zu finden, nicht immer nur auf dem Weg zu sein, sondern auch einmal anzukommen.

Die beiden Gleichnisse fordern auch heraus, Stellung zum Reich Gottes, also für Jesus zu beziehen. Wie wertvoll ist er für mich? Ist er ein Schatz für mich? Ist der Schatz vielleicht noch gar nicht geborgen? Wie kann ich Teil seiner neuen Wirklichkeit werden, die alles andere als nicht so bedeutsam in den Schatten stellt? Die so überragend ist und alles andere überstahlt? Und was ändert sich dann in meinem Leben? Ich füge jetzt bewusst keine Beispiele an, weil das nicht in der Dynamik der Gleichnisse wäre. Jesus hat die Gleichnisse erzählt und die Menschen damit erst einmal sich selbst überlassen. Manchmal hat er seinen Jüngern, wenn die einmal wieder schwer von Begriff waren, einige Zeit später eine Deutung gegeben. Vielleicht können sie ja miteinander, irgendwann und irgendwo, über ihre Schätze und ihre Perlen sprechen. Nehmen sie dabei die Grundstimmung dieses Doppelgleichnisses wahr. Es geht nicht darum, etwas zu verlieren. Es geht nicht darum, vor Gott klein zu werden.  Es geht um einen großen Gewinn. Ja sogar noch mehr, das Evangelium spricht von Freude, die den Schatzfinder ganz erfüllt hat.

Die Gleichnisse sind deshalb auch eine Herausforderung und oft auch ein Ärgernis, weil mancher Schatz nach einiger Zeit seinen Glanz verliert oder gar zur Belastung wird. Es kann sein, dass ich manchen Schatz nicht ein Leben lang ganz sicher habe. Manche Perle möchte ich nach einigen Jahren vielleicht umtauschen. Oder ich merke: Ich muss noch einmal auf die Suche gehen und dafür ist ein Neuanfang nötig.  Denkbar ist auch, Schätze neu zu polieren. Mein Glaube und meine Beziehung zu Gott, Beziehungen zu Menschen, Partnerschaften, Freunde, Arbeit, Ideale und Ideen nehmen manchmal eine Staubschicht an oder werden unschön. Da können sie dann mal in nächster Zeit mit dem Putztuch rangehen.

Christen die Schatzsucher und Schatzfinder. Nicht mit Sonde und Metalldetektor sind wir unterwegs. Uns leiten das Leben Jesu in seiner ganzen Fülle, der Hl. Geist und die Hl. Schrift. Na dann, auf geht`s.

Thomas Hoffmann

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