Wort zum Sonntag, 29.05.2022

Die erste Lesung (Apg 7,55-60) an diesem 7. Sonntag der Osterzeit berichtet von der Steinigung des ersten Märtyrers des Christentums. Stephanus war als Diakon verantwortlich für die Versorgung der Bedürftigen in der Gemeinde in Jerusalem, also ein Leiter der Sozialstation der Gemeinde. In einer Auseinandersetzung um Glaubensfragen mit seinen jüdischen Mitbürgern gelingt es dem Stephanus, seinen Kontrahenten Verirrung, Verstockung und Ungehorsam gegen Gottes Gebot nachzuweisen. Dies führt bei den Gegnern zu Empörung, Anklage, Aggression und schließlich zu Steinigung und Tötung auf offener Straße.

Mit seiner Vision eines offenen Himmels mit dem Menschensohn zur Rechten Gottes legt Stephanus Zeugnis von seinem Glauben an den auferstandenen Herrn ab. Damit zeigt er vor den Augen religiöser Fanatiker Mut, sich zu Christus zu bekennen. Er bleibt seiner Nachfolge und seiner Sendung treu. 

Der Fall Stephanus stellt uns als Christen vor die Frage, wie wir zu den Worten Jesu stehen: “Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes“ (Lukas 12,8f). Gott hat uns in dieser Welt gewollt, er sendet uns mitten in diese Welt hinein, um Zeugnis von ihm und seiner Liebe abzulegen. Diese Welt kann gefährlich und böse sein. Zwar haben wir heute keine Lynchaktion und Verfolgung mehr wie zurzeit Stephani zu befürchten, wenigstens nicht hier bei uns. Aber wir leben unseren Glauben in einer säkularen Gesellschaft und müssen uns kritischen Fragen und neuen Herausforderungen stellen. Wegen Missbrauchsskandale und verschiedener Stellungnahmen der Kirche z.B. zu Fragen der Machtausübung, der Ämter für Frauen und der Sexualmoral hat unser christliches Glaubenszeugnis viel an Strahl- und Anziehungskraft verloren. 

Dieser Zustand aber soll kein Grund zum Verzagen sein, wie Paul Gerhardt in einem Lied singt: “Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen.“ Die Geschichte von Stephanus kann uns Christen von heute Ansporn sein, unseren Glauben in der Öffentlichkeit zu bezeugen, ihn ohne Angst in der Gesellschaft zu zeigen.                  

Einen schönen Sonntag und eine gesegnete Woche wünscht Ihnen                                     

Pastor Willy Manzanza

Impressum

Katholische Pfarrei
St. Altfrid Gifhorn / Meine 

Pommernring 2 
38518 Gifhorn
Tel: 05371/12864 
Fax: 05371/57765 
pfarrei@altfrid-gifhorn.de

Kontonummer

IBAN: DE49 2695 1311 0037 0013 10