„Wort zum Sonntag“– 29. August 2021

Das Evangelium des heutigen 22. Sonntags im Jahreskreis berichtet von einem Streitgespräch über die Frage nach Rein und Unrein, das Jesus mit den Pharisäern und Schriftgelehrten führt. Sie galten damals als die religiöse Elite. Diese Gegner Jesu kritisieren das Verhalten seiner Jünger, weil diese die Reinigungsvorschriften der Juden missachten und das Brot mit ungewaschenen – also – unreinen Händen essen. Die Haltung Jesu und seine Antwort auf die Kritik an dem Verhalten seiner Jünger, die die Kultvorschrift bezüglich des Reinigungsrituals nicht einhalten, muss für die Pharisäer und Schriftgelehrten wie eine reine Provokation klingen. Jesus zitiert den Propheten Jesaja und sagt: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Vergeblich verehren sie mich; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.“ (Mk 7, 6b-8)

Was ist aber das Gebot Gottes? Wie kann man es erkennen? Im Alten Testament, im Buch Deuteronomium lesen wir: „Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6, 4b-5) Gottes Gebot ist einfach LIEBE. Lieben kann man nur mit dem Herzen. Wir könnten also sagen, auf das Herz kommt es an. Das Herz ist der Sitz der Liebe und nach dem biblischen Verständnis die Mitte einer Person. Mit dieser Mitte hängen die bewusste Wahrnehmung, die Gesinnung, die Motive zum Handeln und zu den bewussten Entscheidungen sehr eng zusammen. Das Herz lässt den Menschen zu einer einmaligen Persönlichkeit werden, weil er von dort aus zu Gott und dem Nächsten in Beziehung treten kann. Dieses Geschehen geht über das Einhalten von Kultvorschriften hinaus und ist eigentlich davon unabhängig.

Wenn Jesus von der Reinheit spricht, meint er nicht die Hygieneregeln – „das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln“, sondern die Reinheit des Herzens – einen Zustand des Menschen, in dem er vor Gott hintreten kann. Bei der so verstandenen Reinheit geht es um ein Geschenk, das dem Menschen durch die Beziehung zu Gott zukommt.

Im Licht des heutigen Evangeliums entdecken wir, dass nicht die bloße Erfüllung eines Auftrags, einer von Menschen gemachten Vorschrift, den Menschen rein also gerecht macht. Sie kann sogar zur Selbstgefälligkeit führen. Es ist die liebende Beziehung zu Gott durch die der Mensch eine reinigende Verwandlung erfährt, sie ermöglicht es ihm als neuer Mensch zu leben. Jesus nennt uns heute einen ganzen Katalog von bösen Taten: „die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft“ und sagt: „All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.“ (Mk 7,23)  

In einer lebendigen, liebenden Beziehung zu Gott und in seiner Kraft wird Veränderung möglich und erfahrbar. Ein neues, „reines“, gottgefälliges Leben wird dadurch spürbar. Die Belehrung Jesu, die er den Schriftgelehrten und Pharisäern gibt, sollte auch uns nachdenklich machen. Schauen wir auf unser Herz, öffnen wir es und lassen es durch Gott reinigen und mit seiner Liebe füllen. Das ist mehr als Einhaltung von Gesetzen – und menschlicher.

Eine gelingende und gesegnete Woche

Ihr Robert Solis, Pastor

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