Wort zum Sonntag, 3.7.2022

Das Evangelium des 14. Sonntags im Jahreskreis spricht vom Auftrag Jesu an seine Jünger.  Er sendet sie aus, den Menschen das Reich Gottes zu verkünden. Bei dem Evangelisten Lukas steht: „In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.“ (Lk 10,1) Reich Gottes bedeutet das Leben mit Gott, in der Gemeinschaft mit ihm, der Sinn unseres Lebens und unser endgültiges Ziel ist. Gott will heute und immer mit uns leben, aus Liebe zu uns und seiner Schöpfung. Das ist der Kern des Evangeliums, der Frohen Botschaft, die Jesus uns gebracht und durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung bezeugt hat. Aber um diese Botschaft auch heute weiterzutragen braucht Jesus Boten und Botinnen. Dazu beruft er jene, die durch die Taufe zu ihm gehören, die Gemeinschaft der Glaubenden – die Kirche. Das ist jede und jeder von uns.- „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ – sagt Jesus weiter im heutigen Evangelium und betont dadurch, dass auch wir als Zeugen seines Evangeliums mit Misserfolg und Ablehnung, ja sogar mit Verfolgung rechnen müssen. Wir sollen aber auch dann nicht mutlos werden, sondern uns ganz auf ihn verlassen, uns immer wieder an Jesus ausrichten. Er ist es, der uns sendet und der uns begleitet. Wir gehören zu ihm und sollen durch unser Wort und unser Leben ihn zu den Menschen bringen im Alltag, bei der Arbeit, dem Gespräch mit den Kindern, mit Freunden und Kollegen, beim Einkaufen. Wir sind gesandt, jeder auf seine Weise, in seinem Bereich, im Maß seiner Möglichkeiten, wir alle, die seine Gemeinde – seine Kirche sind.

In den letzten Tagen erreichte uns eine erschütternde und schmerzliche Nachricht über diese, unsere Kirche. Im letzten Jahr sind fast 360 000 Menschen aus der katholischen Kirche in Deutschland ausgetreten, in unserem Bistum Hildesheim 10 152 Personen. Die Zahl der Austritte war damit erstmals fünfstellig. Unser Bischof, Dr. Heiner Wilmer, schreibt dazu: „Mich machen die hohen Austrittszahlen sehr betroffen. Wer der Kirche den Rücken kehrt, muss keine Gründe nennen. Aber es liegt auf der Hand, dass die Glaubwürdigkeit unserer Kirche durch die unzähligen Missbrauchsfälle in den vergangenen Jahren massiv gelitten hat.“  Uns allen ist bestimmt bewusst, dass unsere Kirche als Institution dringend einer Reform bedarf. Ich denke auch bei einer Umfrage, wofür die Kirche da ist, würden wir gewiss unterschiedliche Antworten bekommen: Viele halten die Kirche nur für eine Wohltätigkeitsorganisation, andere für eine nützliche kulturelle und erzieherische Einrichtung, wieder andere nehmen sie als Dienstleistungsbetrieb in Anspruch, wenn es um Taufe, Eheschließung und Beerdigung geht. – Es ist nicht alles falsch, was viele Menschen von der Kirche erwarten. Es ist aber nicht das Erste, Wichtigste und Eigentliche. Das Evangelium erinnert uns daran, dass sich Kirche nur von Jesus Christus her verstehen kann. Er ist in ihr gegenwärtig durch die Sakramente. Er ist ihr Ursprung, Sinn und Ziel. Sie steht und fällt mit ihm und seiner Sendung. Ihn hat sie zu verkünden, seine Lehre und seine Wahrheit. Pater Heinz Joachim Müller hat es einmal so ausgedrückt: „Nur dann findet die Kirche in Wahrheit zu den Menschen, wenn sie von Jesus Christus ausgeht, wenn er ihre Mitte, ihr Ausgangspunkt und ihr Ziel ist.“  Und Grzegorz Rys, der polnische Erzbischof von Lodz, formulierte diese Wahrheit in folgendem Satz:

„Außer Jesus gibt es keinen anderen Grund in der Kirche zu bleiben.“                                                                      

Fragen wir uns doch heute einmal ganz bewusst: Was bedeutet es mir, Teil dieser Kirche zu sein? Fühle ich mich in ihr geborgen, weil sie Antworten auf meine Lebensfragen hat? Erlebe ich sie als stärkende Gemeinschaft? Erlebe ich in ihr die Nähe Jesu? Fragen wir uns aber auch: Wie bringe ich mich selbst ein, fühle ich mich von Jesus gesandt, ihn zu bezeugen -auch bei zu erwartenden Nachteilen?

Ich möchte Sie ermutigen, dieser Kirche, trotz allem, was sie gegenwärtig unglaubwürdig macht, die Treue zu halten Dazu wünsche ich Ihnen das Bewusstsein der spürbar stärkenden Gegenwart Jesu und einen gesegneten Sonntag
Robert Solis, Pastor

Impressum

Katholische Pfarrei
St. Altfrid Gifhorn / Meine 

Pommernring 2 
38518 Gifhorn
Tel: 05371/12864 
Fax: 05371/57765 
pfarrei@altfrid-gifhorn.de

Kontonummer

IBAN: DE49 2695 1311 0037 0013 10