Wort zum Sonntag, 31.10.2021


Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
ich habe gehört, dass die Senfkörner so winzig klein sind wie Sandkörner. Deshalb verstehe ich, warum Jesus sagt: Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern.
Aber, das Eigenartige ist, wenn das Senfkorn auch noch so ein winziges Samenkorn ist, aus diesem Senfkorn wächst in Israeleine riesige Staude. Ich habe im Lexikon gelesen, dass eine Senfkornstaude über zehn Meter hoch werden kann. Und da kann man sich auch vorstellen, dass die Vögel des Himmels darin ihre Nester bauen konnten. In diesem winzig kleinen
Samenkorn liegt so viel Kraft, dass daraus eine riesige Staude wird.
Aber was hat das jetzt alles mit dem Reich Gottes zu tun? Jesus sagt ja: „Womit sollen wir das Reich Gottes beschreiben?“ Und als Antwort erzählt er dieses Gleichnis vom Senfkorn. Was hat das mit dem Reich Gottes zu tun? Da muss ich ein kleines bisschen ausholen. Als Jesus seine öffentliche Wirksamkeit begann nach der Taufe im Jordan, da hat er wie ein Posaunenstoß verkündet: „Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Und was waren die Zeichen des Reiches Gottes? Das hat Jesus auch gesagt. Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf. Und jeder hat damit gerechnet, dass es jetzt richtig losgeht.
Und was passierte? Nichts! Gut, der blinde Bartimäus ist geheilt worden, der Gelähmte, den sie durch das Dach runtergelassen haben, der ist geheilt worden. Es sind auch ein paar Tote auferweckt worden, zum Beispiel der Lazarus. Aber aufs Ganze gesehen, waren das nur Einzelfälle. Aufs Ganze gesehen war die Herrlichkeit des Reiches Gottes ausgeblieben. Das war zur Zeit Jesu so. Das ist immer noch so in der Kirche heute. Im Gegenteil haben wir sogar den Eindruck: Das kirchliche Leben geht zurück, statt dass es wächst. Und in so eine Situation hinein damals hat Jesus dieses
Bildwort vom Senfkorn erzählt. Er sagt damit: „Genauso sicher wie aus einem winzigen Senfkorn eine große Staude wächst, genauso sicher wird aus ganz kleinen Anfängen etwas
Großes wachsen“. Gott ist immer ein Gott der kleinen Anfänge gewesen, von den Tagen der Bibel bis auf den heutigen Tag. Das fängt schon an auf den ersten Seiten der Bibel, beim Turmbau zu Babel. Da wollten die Leute einen Turm bauen, der bis an den Himmel reicht. Und Gott hat die Menschen zerstreut über die ganze Welt, und keiner verstand mehr die Sprache des anderen. Aber dann hat Gott mit einem einzigen Mann wieder angefangen, mit Abraham. Oder: Als Jesus am Kreuz gestorben ist, und nur noch Johannes mit ein paar Frauen übrig war. Da hat Jesus mit
ganz wenigen Leuten angefangen und hat die Kirche gebaut. Und was ist daraus geworden! Oder ich denk an die Zeit im Mittelalter, als es in der Kirche drunter und drüber ging. Da hat Gott mit einem Mann wieder angefangen, mit Franz von Assisi. Und man könnte das bis in unsere Zeit fortsetzen. Gott ist immer ein Gott der kleinen Anfänge. Auch heute, mitten in der Krise unserer Kirche. Es wächst etwas, auch wenn es noch keine Riesenstaude ist. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir wieder anfangen, entgegen den Miesmachern aller Art von Resignation, das Senfkorn Hoffnung zu säen. Und wenn wir das tun, wenn wir solche Zeichen der Hoffnung pflanzen, dann werden wir auch die entsprechenden Früchte wachsen sehen.
Im diesem Sinne, gesegneten Sonntag.

Ihr Pastor Gabriel Makinisi

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