Wort zum Sonntag für Weihnachten 2022

Schon seit langem ist in meinem Büro ein Plakat aufgehängt: Aus einem kleinen Topf erwächst eine sehr ausladende, rankende und blühende Pflanze. „Big things often have small beginnings“ steht auf dem Plakat – Großes beginnt meist ganz klein.

Stünde über dem zweiten Kapitel im Lukasevangelium nicht die Zwischenüberschrift „Die Geburt Jesu“, so denke ich, Bibelwissenschaftler könnten auch „Großes beginnt meist ganz klein“ als Überschrift wählen. Denn nach dem furiosen ersten Kapitel des Lukasevangeliums, das mit der Verkündigungsszene und der Begegnung Marias mit Elisabeth große Erwartungen weckt, ist die Erzählung von Jesu Geburt wohl eher ernüchternd: Eine Geburt findet statt, nicht zu Hause, sondern in der Fremde. Nicht in der Großstadt Jerusalem und eigentlich nur am Rande der Kleinstadt Betlehem, nicht in einem Wohnhaus, sondern in einem Stall. Die Geburt findet statt, die Gebärende wird wenig umsorgt, das Kind wird provisorisch versorgt und auf Heu gebettet. Dies ist die Geburtsstunde Jesu – der ganz kleine Anfang von etwas sehr Großem. Erst als Jesus geboren ist, als alles gut gegangen ist, erscheint ein Engel bei den Hirten. Fast kommt es mir vor, als würde auch Gott zunächst die Geburt abwarten wollen, den Moment des kleinen Anfangs wirklich geschehen lassen, bevor der Trubel um die Heilige Familie beginnt.

Großes beginnt meist ganz klein – dieser Gedanke ist ein Prinzip in Gottes Schöpfungsplan. Er umfasst Wachstum und Vermehrung als zwei Kennzeichen von Lebewesen, von Lebendigkeit: Wenn Kinder aufwachsen, oder wenn im Garten die Saat aufgeht.

Großes beginnt meist ganz klein – auch in unserem direkten Umfeld. Das meiste, das uns umgibt, ist nicht sofort in aller Vollständigkeit da. Die beste Erfindung oder das größte Kunstwerk beginnen doch mit einer winzigen Idee, die sich weiterentwickelt, bearbeitet und gestaltet wird. Eine Freundschaft beginnt mit einer ersten guten Begegnung. Eine lange Reise beginnt oft mit einem Blick in eine Landkarte. Mit ganz kleinen geschützten Flächen hat der Naturschutz begonnen, und hoffentlich stehen 2030 wirklich mehr als 30 Prozent der Meeres- und Landfläche unter Schutz! Frieden beginnt in den Köpfen und Herzen jedes einzelnen Menschen und nicht erst dann, wenn Staaten einen Krieg beilegen.

Großes beginnt meist ganz klein – das ist in jedem Jahr an Weihnachten und kurz vor dem Beginn eines neuen Kalenderjahres eine der Kernbotschaften des Weihnachtsfestes. Ein Neugeborenes, Maria und Josef, eine Krippe in einem Stall, nicht viel mehr. Aber wir wissen, dass etwas Großes passiert: Jesus Christus, Gotteskind und Menschenkind, wurde geboren, damit wir Gott erkennen können und den Mut haben, unsere Lebenswelt so zu gestalten, wie wir sie uns erhoffen, auch wenn dies ganz klein und immer neu in unseren Herzen, unserem Denken und Tun beginnen muss.

Antonia Przybilski, Dekanatsreferentin

Impressum

Katholische Pfarrei
St. Altfrid Gifhorn / Meine 

Pommernring 2 
38518 Gifhorn
Tel: 05371/12864 
Fax: 05371/57765 
pfarrei@altfrid-gifhorn.de

Kontonummer

IBAN: DE49 2695 1311 0037 0013 10