„Wort zum Sonntag“ – Taufe des Herrn (Erste Lesung: Jes 42, 5a.1–4.6–7)

Liebe Hörerinnen und Hörer,

am heutigen Sonntag begehen wir das Fest „Taufe des Herrn“. So lade ich Sie nun ein, über einen etwas schwierigen Abschnitt aus dem Buch Jesaja einmal nachzudenken, den wir heute als erste Lesung hören. In diesem Text nimmt das Wort „Knecht“ einen wichtigen Platz ein. In unserer Zeit ein eher ungewöhnlicher Ausdruck, der für Minderwertigkeit, Machtlosigkeit, ja Verachtung steht.

Die Worte des Propheten stammen aus der Zeit, in der das Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft lebte.  Mit dem Wort „Knecht“ war eben dieses Volk Israel gemeint. Im Exil, in der Unfreiheit und Unterdrückung, erfuhr das auserwählte Volk durch den Propheten jedoch die Zusage Gottes, seine Tröstung: “So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.“ (Jes 42,1) Ein Knecht als Erwählter? – So sah sich das Volk berufen, Gott zu dienen und seine Gebote zu halten. Es galt Gottes Zusage: “Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand.“ (Jes 42,6) Knechtschaft also eine Berufung? – Ja, das Volk Israel fand seine Auserwählung bestätigt und schöpfte Kraft, sie auch im Exil zu leben.

Im Neuen Testament bezog man das Wort „Knecht-Gottesknecht“ auf Jesus, in dem sich die Prophetie des Jesaja erfüllte: „Licht für die Völker zu sein, den Blinden die Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen, alle, die im Dunkeln sind, aus der Haft zu befreien.“ (vgl. Jes 42,7) So kennen wir Jesus, viele Begebenheiten fallen uns ein: er heilte, er tröstete und stiftete Frieden. Er wusste sich stets – wie das Volk Israel -, von Gottes Hand geführt. Bei seiner Taufe im Jordan erklangen die Worte des Vaters: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ So hören wir es im heutigen Evangelium nach. (Mt 3,17).

Was fangen wir in unserer Zeit an mit diesen wohlklingenden Worten: „Ich fasse dich an der Hand“? (Jes 42,6) – „Das ist mein geliebter Sohn.”? (Mt.3,17) Wo ist heute der Gottesknecht, von dem der Prophet sagt „er bringt den Völkern das Recht, er bricht nicht zusammen, bis auf der Erde das Recht begründet ist“? (vgl. Jes 42,2.4) Sollte nicht der neue Gottesknecht heute unsere Kirche sein, die wir auch als den Leib Christi bezeichnen, weil Christus in ihr lebt, durch sie Gestalt annimmt, sichtbar wird in der Welt? Für die Kirche als Gottesknecht gilt die Zusage Gottes: „das ist mein Knecht, den ich stütze, auf ihn habe ich meinen Geist gelegt.“ (Jes 42,2.2) Aber wie erleben wir heute die Kirche? Sind wir nicht selbst ein Teil des Bildes der Kirche, wie sie sich heute darstellt?

Das Fest der Taufe Jesu sollte auch uns alle an unsere je eigene Taufe erinnern, durch die wir zum auserwählten Gottesvolk, der Kirche, gehören und bei der uns Gott, der Vater, persönlich an der Hand gefasst hat. Das Gedenken an unsere eigene Taufe sollte uns ermutigen, die Aufgabe des Gottesknechtes in unserem Umfeld, unserem Wirkungskreis zu übernehmen. Gilt doch für uns persönlich die Zusage: „Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt“! (Jes 42,1) Es gilt für uns das Wort Gottes: „Ich fasse dich an der Hand, ich habe dich geschaffen, Licht zu sein, Gefangene aus dem Kerker zu holen, Blinden die Augen zu öffnen.“ (Jes 42,7) Erinnern wir uns heute voll Dankbarkeit an unsere Taufe, an die Hand Gottes, die uns führt! Vergessen wir nicht unsere eigene Berufung zum Gottesknecht als seinem Helfer, mit dem Auftrag, an dem Ort, an dem wir leben, der Welt Gottes Liebe und Barmherzigkeit erfahrbar zu machen.

Ein gnadenreiches Neues Jahr 2022

Ihr Robert Solis, Pastor

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