
Ehrentag
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, beim ersten deutschlandweiten Ehrentag zum Geburtstag des Grundgesetzes in diesem Mai dabei zu sein. Die Idee: Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen. Am Geburtstag unserer Verfassung packen deshalb alle mit an, um unser Land ein bisschen besser zu machen. Dabei stehen Begegnung und gemeinsames Tun im Mittelpunkt.
Unsere Gesellschaft würde ohne das vielfältige Engagement der Freiwilligen oder landläufig Ehrenamtlichen nicht funktionieren. In sozialen, kulturellen, politischen, sportlichen und kirchlichen Bereichen hat das Ehrenamt nicht nur eine strukturelle, sondern eine inhaltliche und identitätsstiftende Funktion. Ohne das freiwillige Engagement ist eine Demokratie nicht handlungsfähig und die Zivilgesellschaft würde sozial verkümmern.
Wilhelm Busch hat es so versucht: das Gute, dieser Satz steht fest, ist stehst das Böse, das man lässt. Auch wenn ich Wilhelm Busch sehr mag, hier jedoch klarer Widerspruch. Ist das Gute weiter nichts als das Unterlassen des Bösen? Bin ich wirklich schon ein guter Mensch, wenn ich nichts Böses tue? Wenn ich mir jenen Satz zu eigen mache, dann darf ich einem Bittsteller folgende Rede halten: „Sie erwarten von mir eine Hilfe, eine gute Tat. Aber diese Tat ist schon geschehen, die Hilfe ist schon geleistet, denn – ich habe Ihnen nichts Böses getan, ich habe sie nicht bestohlen, nichts angetan. Seien Sie also zufrieden, es ist genug des Guten, dass ich Ihnen nichts Böses getan habe.“? Ist jemand schon gute/r Fußballer*in, weil er/sie kein Eigentor schießt? Da komme ich schon eher mit der Formel des Apostels Paulus um die Ecke: „Bleibt niemandem etwas schuldig, außer gegenseitiger Liebe.“ Die Welt ist nicht deshalb oft so finster, weil zu viel Böses, nein, weil zu wenig Gutes getan wird. Deshalb drehe ich den Satz von Busch getrost um: Das Böse, dieser Satz steht fest, ist stets das Gute, das man lässt. Meine persönliche Erfahrung lehrt mich, dass für die meisten, die sich freiwillig engagieren, gilt: es ist ein Handeln aus Leidenschaft, wie es der Trapezkünstler Philipp Petit formuliert auf die Frage, warum er es riskiert, immer wieder in schwindelerregenden Höhen zu balancieren: „Wenn ich drei Orangen sehe, muss ich jonglieren, wenn ich zwei Türme sehe, muss ich ein Seil spannen und tanzen“, sagt der Artist. Was übersetzt heißt: wenn ich Menschen sehe, die meine Kraft und Zuwendung gut gebrauchen können, muss ich handeln. Das ist das Mantra des Ehrenamtes: Tun tut gut. Wenn Sie etwas suchen, um am Ehrentag und darüber hinaus dabei zu sein, in unserem Landkreis gibt es hunderte Vereine und Initiativen, die sich über Mitmacher/innen jederzeit freuen. Gerade auch am Tag der Arbeit lohnt es sich, über die etwas andere Art zu arbeiten, zu wirken, nachzudenken, oder um es mit Michelle Obama auszudrücken:„Die einzige Grenze für die Größe Deiner Leistungen ist die Reichweite Deiner Träume und Deine Bereitschaft, für sie zu arbeiten.“
Ihr Martin Wrasmann